Newsletter "Kita" 01/2019

Liebe Leserin! Lieber Leser!

In diesem Newsletter geht es um den Umgang mit der großen Wut. Da muss Greta abhauen, so sauer ist sie auf ihre unfairen Eltern; ein kleiner Junge wünscht sein bescheuertes neues Kuscheltier auf den Mond; die Freund*innen des kleinen Drachens gehen immer mehr auf Abstand, weil er bei seinen berüchtigten Wutanfällen Feuer speit; in der kleinen Linda schließlich haust ein ziemlich wütender Tiger – zum Glück weiß Opa ein paar gute Tricks, um diesen in den Griff zu bekommen.
„Es braucht eine Kindheit lang, um zu lernen, aggressive Gefühle zu integrieren und konstruktiv und kreativ zu nutzen.“, sagt Familientherapeut Jesper Juul. Vielleicht können unsere Buchtipps auf diesem Weg eine kleine Unterstützung sein.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in ein möglichst wutarmes neues Jahr!

Ihr Eliport-Team

 

 

Lindenbaum, Pija: Greta haut ab. Dt. von Kerstin Behnken. Hamburg: Oetinger 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-7891-0473-2, geb.: 14,99 €

Greta fühlt sich von ihren Eltern missverstanden und schlecht behandelt, deswegen haut sie ab.

Greta wird mitten aus dem Spiel gerissen, weil ihre Eltern mit ihr und ihrem Bruder zu einem Fest wollen. Greta ist zornig und will im Auto warten, bis das Fest vorbei ist. Weil sie aber Torte mag, folgt sie ihren Eltern schließlich doch. Wieder zu Hause soll sie ihr Fahrrad wegräumen, das ihr Bruder hingeworfen hat. Das ist zu viel für Greta. Sie beschließt abzuhauen, in fremde Länder zu gehen. In ihrer Fantasie verwandeln sich alltägliche Begegnungen und Situationen in besondere Herausforderungen. Als sie dann doch wieder nachhause geht, hat keiner gemerkt, dass sie verschwunden war. Sie brüllt ihre Enttäuschung heraus. Den Eltern wird erst jetzt klar, dass sie Greta den ganzen Tag ihren Willen aufgezwungen haben. Sie versprechen sich zu bessern und nehmen Greta fest in die Arme. Die Geschichte wird aus Gretas Sicht erzählt. Ihr Zorn, ihre Enttäuschung sind eindrucksvoll dargestellt. Ihr plötzlich sehr langes Haar zeigt ihre Stärke, aber ohne die Liebe der Eltern ist sie schwach.

Für Elternabende in der Kita; Vorlesestunden und für Kindergruppen zur Diskussion.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Wut | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Eva Basler

Du doofes Ding, du! Salah Naoura. Ill. von Thilo Krapp. Leipzig: Klett Kinderbuch 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. ISBN 978-3-95470-167-4, geb.: 14,00 €

In der Fantasie eines Jungen wird ein verhasstes Kuscheltier an die schlimmsten Orte der Welt gewünscht.

Ein Junge bekommt von seiner Oma ein Kuscheltier geschenkt, obwohl er sich eigentlich einen Karate-Mann gewünscht hatte. Zu allem Überfluss sieht der neue Spielzeugfreund aus wie eine Birne mit Armen und Füßen. Ein richtig „doofes Ding“ also, findet der Junge und überlegt, wo er es am besten entsorgen könnte: ab damit, in die tiefste Stelle des Meeres oder besser noch in die Wüste, auf den Mond, den Nordpol usw.! Bei einem Zoobesuch lässt er seiner Fantasie Taten folgen. Er bindet den unliebsamen Begleiter einfach an einen Gasballon und ist ihn endlich los. Aber warum ist er darüber nicht glücklich? Der Autor lässt seine Hauptfigur genüsslich gegen ein verhasstes Geschenk wettern. In der Fantasie des Jungen darf die Enttäuschung ungebremst ausgelebt werden. Die Aggression wird hier nicht nur durch einen mit Schimpfwörtern gespickten Text dargestellt, sondern auch mithilfe lebhafter comicartiger Bilder. Und dies macht Spaß!

Textlich wie zeichnerisch herrlich unkonventionell und wild! Das Bilderbuch bietet sich auch zum unbeschwerten Diskutieren über Enttäuschung, Wut und Jähzorn an. Sehr zu empfehlen für Kinder ab 4 Jahren! 

Signatur: Ju 1
Schlagworte: Wut | Enttäuschung | Schimpfwörter
Bewertung: +++
Rez.: Juliane Deinert

Starling,  Robert: Kleiner Drache, große Wut. Dt. von Sylvia Tress. Stuttgart: Esslinger 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-480-23391-5, geb.: 12,99 €

Ein kleiner Drache lernt mit seiner Wut umzugehen.

Der kleine Drache Finn eckt überall an, weil er so schnell wütend wird und dann immer gleich Feuer speit. Dabei geht jeden Tag etwas kaputt. Am Ende gehen seine Freunde auf Abstand, weil sie sich vor ihm zu fürchten beginnen. Finn sucht Rat bei seiner Mutter und erfährt, dass jeder mal wütend wird und dass es nur darauf ankommt, sich rechtzeitig wieder zu beruhigen. Mit ihrem Trick im Notfall langsam bis zehn zu zählen, kommt Finn gut über den nächsten Tag. Überrascht erfährt er von den vielen unterschiedlichen Wut-Bewältigungsstrategien seiner Freunde. Kurze Texte begleiten und ergänzen die witzigen, wunderbar minimalistischen Illustrationen des Autors. Einfach gehaltene Figuren in kräftigen Farben treten auf angedeuteten oder farblich zurückhaltenden Hintergründen hervor. In dem Buch geht es um Gefühle und die versteht der Autor mit Hilfe der Mimik und Körperhaltung der Figuren hervorragend auszudrücken. Das Bilderbuch macht ein wichtiges Thema auf locker lustige Art anschaulich.

Sehr gern empfohlen für Kinder ab zwei Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Wut | Gefühle
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner

Linda zähmt den Tiger. Ben Furman. Ill. von Mathias Weber. Dt. von Weronika M. Jakubowska. Hg. von Christel Rech-Simon. Heidelberg: Carl Auer 2018. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. (Carl Auer Kids). Aus d. Engl. ISBN 978-3-8497-0227-4, geb.: 15,95 €

Linda lernt von ihrem Opa, wie sie es schaffen kann, den „wütenden Tiger“ in sich zu zähmen.

Linda wird oft sehr schnell sehr wütend. Manchmal ist es so schlimm, dass sie ihre Wut kaum zügeln kann, auch wenn sie es will. Gut, dass Opa ein paar Tricks kennt, wie Linda diesen, wie er es nennt, „wütenden Tiger“ in sich zähmen kann, denn auch Lindas Mama hatte als Kind mit denselben „Tigeranfällen“ zu kämpfen.Die gefühlvoll erzählte Geschichte geht sehr behutsam und dabei immer positiv mit dem schwierigen Thema um. Auch die ganzseitigen, großflächigen Illustrationen strahlen viel Ruhe und familiäre Harmonie aus, wobei die Hauptpersonen ihre Verbundenheit in ihrer Mimik und Gestik ausdrücken. Wunderbar, wie der Leitgedanke des Tigers, also die Farbe Orange und die Streifen, z. B. in den identischen T-Shirts von Mutter und Tochter, in der getigerten Hauskatze, die in jedem Bild zu sehen ist und sogar im Muster der Hollywoodschaukel immer wieder aufgenommen wird. In einem 8-seitigen Nachwort finden Eltern und Erzieher zusätzlich weitere hilfreiche Hinweise zum Thema „Wut bei Kindern“.

Ein ansprechendes, gut durchdachtes Bilderbuch, das zu Hause genauso wie in Kindertagesstätten, sowie auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt werden kann.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Wut | Familie
Bewertung: +++
Rez.: Brigitte Heimerl