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Curtis, Rye: Cloris. Roman. Dt. von Cornelius Hartz. München: Beck 2020. 352 S. ; 22 cm. Aus d. Engl.ISBN 978-3-406-75535-4, geb.: 24,00 €

Abenteuerroman mit Tiefgang: die 72jährige Cloris überlebt als einzige einen Flugzeugabsturz und muss sich durch die Wildnis im Norden der USA kämpfen.

Ich bin wahrlich kein Fan von Abenteuergeschichten, aber dieses Buch hat mich gepackt. Das liegt an Cloris, der Hauptfigur, und an der Sprache, die der junge Autor in diesem erstaunlichen Debüt seiner Protagonistin in den Mund legt. Auch Cloris ist alles andere als fit für die Wildnis, sie hat ein paar Bonbons in der Tasche, eine Bibel und nutzt den wasserdichten Stiefel ihres Mannes zum Auffangen von Regenwasser und zum Trinken. Natürlich hätte Cloris es nicht alleine geschafft, wäre da nicht die geheimnisvolle Gestalt, der sie mal ein wärmendes Feuer, mal einen gefangenen Fisch verdankt. Aber wer ist der Mann? Und geht von ihm womöglich sogar eine neue Gefahr aus? Parallel dazu macht sich die Rangerin Lewis – stets in Begleitung einer Thermoskanne mit billigem Merlot - auf die Suche nach dem verschollenen Flugzeug und möglichen Überlebenden. Es sind die mal naiven, mal tiefgründigen Gedanken der 72jährigen Methodistin aus Texas, die bezaubern. Vor dem Hintergrund der existenziellen Erfahrung des Überlebens sieht sie ihr bisheriges Leben mit anderen Augen. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz.

Man darf nicht allzu zart besaitet sein, es gibt auch Ekliges und Deftiges – eben Wildnis – in diesem herausragenden Roman, der Spannung, Unterhaltung, und die Frage danach, was im Leben wirklich zählt, zu einem wunderbaren Leseerlebnis vereint.

Signatur: SL
Schlagworte: Abenteuer | Frau | Gottesbild | Sinn
Bewertung: +++
Rez: Gabriele Kassenbrock