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Stuart, Douglas: Shuggie Bain. Roman. Dt. von Sophie Zeitz. München: Hanser Berlin 2021. 491 S. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-446-27108-1, geb.: 26,00 €

Als bestes Debüt des Jahres gefeiertes Buch über einen Jungen und seine alkoholkranke Mutter im Glasgow der Thatcher-Jahre.

Der achtjährige Shuggie lebt mit seiner Mutter Agnes, den beiden älteren Geschwistern aus Agnes erster Ehe und seinem Vater Shug in beengten Verhältnissen bei den Großeltern in einer Glasgower Hochhaussiedlung. Gewalt, Armut und die Alkoholsucht der Mutter beherrschen das Leben. Der Vater lässt Frau und Kinder schließlich in einer Minenarbeitersiedlung vor den Toren der Stadt sitzen, und Agnes Zustand verschlimmert sich immer mehr. Eine Episode ist schrecklicher als die andere, doch der Roman entwickelt einen Sog, dem man sich als Lesende:r nicht entziehen kann. Shuggie sticht in diesem Milieu heraus: Er geht anders, spricht anders, kleidet sich anders als die anderen Kinder und wird zum Opfer von Mobbing und Missbrauch. In all dem ist Shuggies Liebe zu seiner Mutter, ihrer Schönheit und Würde, die sie nach außen stets zu wahren sucht, bedingungslos. Obwohl die Handlung nicht leicht zu verarbeiten ist, ist der Roman sehr, sehr gut lesbar, spannend erzählt und endet für Shuggie doch auch auf einer hoffnungsvollen Note.

Der autobiographisch eingefärbte Roman ist eine seltene Perle aus der Arbeiterschicht und eine absolute Leseempfehlung, die überall verfügbar sein sollte.

Signatur: SL
Schlagworte: Schottland | Arbeiter-Milieu | Alkoholismus
Bewertung: +++
Rez.: Sabine Klohn