Weltgebetstag 2020 - Simbabwe

Bild: Nonhlanhla Mathe

Steh auf und geh!

„Ich würde ja gerne, aber…“ Wer kennt diesen oder ähnliche Sätze nicht? Doch damit ist es bald vorbei, denn Frauen aus Simbabwe laden ein, über solche Ausreden nachzudenken: beim Weltgebetstag am 06. März 2020.

Wir möchten Ihnen folgende Titel von Autor*innen aus Simbabwe ans Herz legen.

Bulawayo, NoViolet: Wir brauchen neue Namen. Roman. Dt. von Miriam Mandelkow. Berlin: Suhrkamp 2016. 261 S. ; 19 cm. (suhrkamp taschenbuch 4651). Aus d. amerikan. Engl. ISBN 978-3-518-46651-3, kt.: 9,99 €

Die Geschichte der zehnjährigen Darling, die nach Jahren in einem Slum in Simbawe zu ihrer Tante in die USA emigriert.

NoViolet Bulawayos Roman ist aus der Perspektive der zehnjährigen Darling geschrieben. Nachdem Darling und ihre Familie aus ihrem Haus vertrieben wurden, lebt sie gemeinsam mit ihrer Mutter in 'Paradise', einem Slum in Simbawe. Ihr Vater, der zunächst sein Glück in Sudafrika versuchte und lange Zeit verschollen war, kehrt erst im Laufe des Buches als aidskrank zurück. Anders als für die Erwachsenen ist 'Paradise' jedoch trotz der Armut und Gewalt für Darling und ihre Freunde ein großer Abenteuerspielplatz. Sie spielen, träumen, warten auf die Geschenke der NGO's und wenn der Hunger zu groß wird, klauen sie Guaven in den reicheren Vierteln. Doch das Leben im Slum nimmt ein abruptes Ende, als Darling zu ihrer Tante nach Detroit geschickt wird, um dort ein vermeintlich besseres Leben zu führen. Ein bemerkenswerter Roman, der postkoloniale Kontinuitäten sowie die Thematik der Migration gekonnt thematisiert und dem globalen Norden unausweichlich einen Spiegel vorhält.

Allen Leser*innen zu empfehlen, um die eigene Komfortzone einmal zu verlassen und sich der Lebensrealität Darlings zu stellen.

Signatur: SL
Schlagworte: Migration | Postkolonialismus | Armut | Coming-of-Age
Bewertung: ++
Rez.: Rosa Bömelburg

Huchu, Tendai: Der Friseur von Harare. Roman. Dt. von Jutta Himmelreich. 2. Aufl. Wuppertal: Peter Hammer 2012. 299 S. ; 21 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-7795-0358-3, geb.: 19,90 €

Der Roman aus Zimbabwe erzählt mit Witz vom Alltag in der chaotischen Stadt Harare.

Im Friseursalon von Mrs. Khumalo erzählen sich Menschen aller Schichten ihr Leben, von der Ministerin bis zu Frauen aus der Nachbarschaft, die mit Mühe unter den schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen überleben. Als ein neuer Friseur eingestellt wird, liegen ihm die Frauen zu Füßen. Dumisani ist charmant und bezaubert alle, auch seine Kollegin Vindai, die sich in ihn verliebt und von einer Hochzeit träumt. Doch dann entdeckt sie Dumis Geheimnis. Er ist homosexuell, was in Zimbabwe furchtbar ist, denn die Gewalt und die Verachtung gegenüber Homosexuellen kann tödlich für Dumi sein. Wie gehen sie und Dumi mit dieser Situation um? Der Alltag in dieser chaotischen Stadt wird mit Leichtigkeit und Witz geschildert. Wer sich je fragt, wie die Menschen in einer afrikanischen Großstadt mit Stromausfall, Nahrungsmittelknappheit und einer wahnwitzigen Inflation überleben können - hier findet er eine Antwort. Eine Erzählung von Mut, Freundschaft und einem unbändigen Lebenswillen.

Für alle, die gerne "über den Tellerrand" schauen und am Alltag in Afrika interessiert sind.

Signatur: SL
Schlagworte: Afrika | Freundschaft | Großstadtalltag | Homosexualität
Bewertung: +++
Rez.: Regina Riepe

Imagine Africa 2060. Geschichten zur Zukunft eines Kontinents. Hg. von Christa Morgenrath u. Eva Wernecke. Mit Beiträgen von Ken Bugul, Aya Cissoko u.a. Wuppertal: Peter Hammer 2019. 191 S. : Ill. ; 21 cm. ISBN 978-3-7795-604-1, kt.: 20,00 €

In kurzen Geschichten über zehn Länder Afrikas träumen deren Autor*innen, was 2060 sein könnte.


Diese kurzweilige Zusammenstellung ist aus einer Veranstaltungsreihe entstanden, die der Vielfalt der literarischen Stimmen des Kontinents Afrika gewidmet ist. Fünf Männer und fünf Frauen verleihen nun einigen Ländern einen literarischen Klang: Angola, Sambia, Senegal, Mali, Marokko, Simbabwe, Südafrika, Kenia, Ghana und Nigeria. Damit soll ein Impuls im oftmals weiß-europäisch dominierten Literatur-Business geschaffen werden. Wie gelungen! Erweitern Sie Ihr Bücherregal um einige dieser preisgekrönten Autor*innen!
Die Zukunftsvisionen sind funky, traurig, bestärkend, dystopisch und poetisch. Es geht um Klimawandel, nach Hause kommen, Großmutters Weisheit und die erste Präsidentin Nigerias. Kleine Autor*innenportraits ergänzen die Kurzgeschichten und machen Lust aufs Weiterlesen.

Auch zum Vorlesen geeignet, und für alle Situationen, wo kurze Geschichten gefragt sind. Eine gute Ergänzung und notwendiges Update für die Abteilung „Literatur vom Kontinent Afrika“.

Signatur: SL
Schlagworte: Afrika | Zukunft | Vielfalt
Bewertung: +++
Rez.: Lea Klischat