Rezension des Monats

Höfler, Stefanie: Der große schwarze Vogel. Roman. Weinheim: Beltz & Gelberg 2018. 181 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-407-75433-2, geb.: 13,95 €

Berührender Roman über das Weiterleben nach dem  Tod der Mutter.

An einem strahlenden Oktobertag stirbt Bens Mutter unerwartet. Von diesem Moment ausgehend, erzählt der Junge von den Ereignissen, die dem Tod unmittelbar folgen sowie vom Davor und Danach. Davor: das sind kleine Episoden aus dem Leben mit einer hochemotionalen, unangepassten, aufbrausenden und leidenschaftlichen Mutter. Danach: das ist die erste Liebe, Zukunftspläne schmieden, als verkleinerte Familie wieder zueinander finden.Stefanie Höfler hat sich hier wieder ein schwieriges Thema vorgenommen. Und auch hier zeigt sie ein großes Einfühlungsvermögen in die Emotionen eines Jugendlichen, der nicht nur mit dem Tod der Mutter, sondern auch mit einem Vater, der zeitweilig völlig aus der Bahn geworfen und außerstande ist, sich gut um ihn und seinen kleinen Bruder zu kümmern, zurechtkommen muss. Die Geschichte hat (nachvollziehbar) kein Happy End, deutet aber an, dass die Familie sich ein Jahr später auf einem guten Weg der Heilung befindet: Sie pflanzt der baumvernarrten Mutter einen Apfelbaum aufs Grab, Ben erkundigt sich in einer Gärtnerei nach einem Praktikumsplatz, eine erste Liebe zeichnet sich ab und er hat einen Freund, wie man ihn sich besser nicht wünschen könnte.

Ein berührender, kluger Roman. Sehr gern empfohlen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Tod | Trauer | Hoffnung | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka