Rezension des Monats

Engler, Wolfgang u. Hensel, Jana: Wer wir sind. Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein. Berlin: Aufbau 2018. 288 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-351-03734-5, geb.: 20,00 €

Wolfgang Engler und Jana Hensel - zwei namhafte Ostdeutsche reden über das Ostdeutschsein. Das weitet den Horizont.

Engler tritt sei Jahren als Kenner der ostdeutschen Szene und Geschichte in Erscheinung und bringt immer wieder Leben in die Debatte. Hensel schreibt für die „Zeit im Osten" und ist mit ihrem Bestseller „Zonenkinder" bekannt geworden. Ihr Gespräch, im Aufbauverlag vorgelegt, beginnt bei der Frage nach dem Erfolg von Pegida und AfD in Ostdeutschland. Beide sind sich einig, dass diese nationalistischen Bewegungen vor allem mit den sozialen und ökonomischen Verwerfungen im Osten in den letzten dreißig Jahren - also nach der Wende - zu tun haben. Die Geschichte der Menschen in der DDR dagegen wirkt sich viel versteckter in den gegenwärtigen Entwicklungen aus. Es zeigt sich, dass Fremdzuschreibungen (wie „Unrechtsstaat" für die DDR oder „friedliche Revolution" für die Wende 1989) die Erfahrungen des Lebens in der DDR unsachlich diffamieren und ankanzeln. Dazu treten die Marginalisierungserfahrungen fast aller Ostdeutschen im vereinigten Vaterland. Das Buch bleibt Gespräch und Streit. Gut.

2019 - 30 Jahre „Wende" - ein Thema für die Gemeinde? Für die Bücherei?

Signatur: Sb
Schlagworte: DDR | Verantwortung | Solidarität | Fremdenfeindlichkeit
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel