Rezension des Monats

Mevissen, Katharina: Ich kann dich hören. Roman. Berlin: Wagenbach 2019. 163 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-8031-3306-9, geb.: 19,00 €

Der Fund eines Diktiergerätes hilft einem jungen Cello-Studenten bei der Selbstfindung.

In Hamburg hadert ein junger deutsch-türkischer Cello-Student immer wieder mit der Musik. Seine familiäre Vergangenheit hat er nie aufgearbeitet, also besucht er die Familie nicht. Auch in der Liebe vermeidet er es bisher, sich festzulegen. Als sich sein Musiker-Vater das Handgelenk bricht und die Tante ihn um Hilfe bittet, weicht er dieser Verantwortung zunächst aus. Erst der Fund eines Diktiergerätes und mit ihm der Einblick in das Leben eines tauben Mädchens, verändern unmerklich seine Haltung zum Leben. Er stellt sich der familiären Verantwortung, weicht einem Gespräch mit seinem Vater, der ihm mit seinem Ehrgeiz einen unvoreingenommenen Umgang mit der Musik erschwert hat, nicht länger aus und geht auf die lange bewunderte Mitbewohnerin zu. Der Autorin ist es in ihrem großartigen Debütroman gelungen, uns ihren etwas chaotischen Ich-Erzähler ans Herz zu legen und uns mit ihm tief ins Innere der Musik zu begeben. Besonders lebendig wirkt dabei die Verwendung der Alltagssprache.

Berührender Roman über das Erwachsenwerden. Bestens geeignet für alle, die sich auf die frische, unverstellte Umsetzung des Themas einlassen mögen.

Signatur: SL
Schlagworte: Selbstfindung | Musik
Bewertung: +++
Rez.: Susanne Brenner