Sterben - Tod - Trauer

Nunez, Sigrid: Der Freund. Roman. Dt. von Anette Grube. Berlin: Aufbau 2020. 233 S. ; 22 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-351-03486-3, geb.: 20,00 €

Als ihr Mentor und bester Freund Selbstmord begeht, erbt die Ich-Erzählerin seine riesige Harlekin-Dogge.

Wie die Erzählerin so ist auch Dogge Apollo in tiefer Trauer um das verlorene Herrchen. In der winzigen Wohnung in Manhattan übernimmt der Hund schweigend und melancholisch das Bett, bald füllt sein Hundegeruch die ganze Wohnung aus, so dass die Freunde nach und nach wegbleiben. Die Trauernde stört es nicht, ihr ist ohnehin nach Rückzug und Einsamkeit. Während Frau und Hund sich langsam annähern (so merkt die Erzählerin z. B. eines Tages, dass Apollo es liebt, vorgelesen zu bekommen), lässt sie - den Freund erinnernd - die Gedanken schweifen, reflektiert über das Schreiben, das Lesen und den aktuellen Literaturbetrieb; über Tod und Trauer, über die Beziehung zwischen Mensch und Hund, über den Freund, seine Frauengeschichten und die besondere Beziehung, die zwischen ihr und ihm bestand. Sigrid Nunez hat in den USA bereits mehrere Romane veröffentlicht und Preise gewonnen. „Der Freund“ ist die erste Übersetzung ins Deutsche. Qualität und Rezeption des Romans lassen auf weitere Übersetzungen hoffen.

Ein anregendes, intelligentes und bisweilen herzergreifendes Buch, das sich gut für Literaturkreise eignet.

Signatur: SL
Schlagworte: Trauer | Erinnerung | Hoffnung | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Schroeter-Rupieper, Mechthild: Für immer anders. Das Hausbuch für Familien in Zeiten der Trauer und des Abschieds. Vollst. überarb. Neuausg. Ostfildern: Patmos 2020. 165 S. : Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-8436-1267-8, geb.: 25,00 €

Ein Handbuch mit Anregungen zu einem gelungenen Umgang mit Verlust, Sterben, Tod und Trauer.


Die Autorin Mechthild Schroeter-Rupieper hat basierend auf ihrer langjährigen Arbeit als Familientrauerbegleiterin ein umfassendes Handbuch zu Abschied, Verlust, Sterben, Tod und Trauer geschrieben, das nun in einer überarbeiteten Neuausgabe erschienen ist. Zur Einführung betont sie, wie wichtig es ist, aufrichtig und behutsam schon mit kleinen Kindern über den Tod zu reden. Es folgen Hinweise zur Todesvorstellung in den verschiedenen Altersstufen, jeweils ergänzt durch unterstützende Anregungen. Hilfreich für die Begleitung bei verschiedenen Traueranlässen, zu denen auch Scheidung gezählt wird, sind die Darstellungen möglicher Trauerreaktionen und die umfassende Bearbeitung von wichtigen und häufigen Fragen um Sterben und Tod. Die Autorin gibt praktische Anregungen für das Lebendigerhalten der Erinnerung an Verstorbene und auch für den Umgang mit Veränderungen in der Familie nach einem Verlust. Hilfreich ist schließlich auch die Zusammenstellung von Literatur und von Filmen.

Ein sehr empfehlenswertes Handbuch für jeden, der Kinder und Jugendliche bei Abschied, Verlust, Sterben und Tod begleiten möchte.

Signatur: Fd
Schlagworte: Todesvorstellungen | Traueranlässe | Trauer | Weiterleben
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Stomp, Maya: Wir Witwen sind ein zähes Volk. Trauern ist Marathon für die Seele. Dt. von Waltraud Heitzer-Gores. Ill. von Charley Ambagtsheer. Gütersloh: Gütersloher Verl. - Haus 2020. 157 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-579-02396-0, geb.: 18,00 €

Trauern erklärt von einer jungen Witwe, die Trauercoach wurde.

Mit 41 Jahren wird die Holländerin Maya Stomp plötzlich und unerwartet Witwe: Gerade noch telefoniert, dann die Todesnachricht im Krankenhaus. Ihr Leben ist auf einmal völlig verändert.  Aufgeteilt in 4 Kapitel nach den 4 Traueraufgaben von William Worden erläutert die Autorin anhand ihrer eigenen Geschichte, was es über Trauer zu wissen gibt, wie Trauer sich auswirkt, das Leben verändert. Da wo ihre eigenen Erfahrungen nicht greifen (Witwe sein mit Kindern), lässt sie andere zu Wort kommen. Dabei ist „[d]as Buch [ist] mit einem Lächeln und einer Träne geschrieben. Die Linie zwischen ihnen ist so dünn.“ wie das Haarlems Dagblatt (23. Juni 2017) anmerkt. Es ist von leichter Hand und doch ernsthaft geschrieben. Maya Stomp bietet keine Ratschläge - „Witwen lieben keine Ratschläge!"- aber Anregungen und Verstehenshilfen. Sie ermutigt dazu, den eigenen Trauerweg zu gehen - in all seiner Schwere und mit dem Schmerz, der damit verbunden ist - und die eigene Stärke zu entdecken. Hilfreich für Betroffene und ihnen Nahestehende.

Gut geeignet für Veranstaltungsarbeit zum Thema Trauer und Trauerbegleitung.

Signatur: Fd
Schlagworte: Witwe | Trauer | Trost
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Schneider-Gurewitsch, Kathryn: Reden wir über das Sterben. Vermächtnis einer Ärztin und Patientin. Hg. von Marianne Recher u.a. Zürich: Limmat 2020. 158 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-85791-8971-1, kt.: 22,00 €

Ärztin, Patientin, Mensch: Die Autorin setzt sich mit dem Sterben auseinander.

Es gibt viele Bücher über das Sterben, dieses hebt sich ab. „Reden wir über das Sterben“ ist das Vermächtnis der 2014 verstorbenen Ärztin Kathryn Schneider-Gurewitsch. „Meine Sanduhr läuft ab. Ihre auch.“ Dieser Satz steht ziemlich am Anfang ihres Sachbuchs. Die Autorin arbeitete viele Jahre als Ärztin und Psychoonkologin in Basel und erkrankte selber dreimal an Krebs. Kurz vor ihrem Tod fasst sie ihre Erfahrungen als Ärztin und Patientin, als Mensch, über das Sterben in Worte. Ihr „Credo": Offenheit ist immer der beste Weg. „Offenheit bedeutet, dass wir anerkennen, dass unsere Wertvorstellungen nicht unbedingt denen von anderen Menschen entsprechen. Respekt vor den anderen ist angesagt." Ihre grundsätzlich offene Haltung ist durchgängig spürbar. „Mir liegt am Herzen, dass sich die Menschen rechtzeitig auf den Weg machen, dass sie - soweit überhaupt möglich - Weichen stellen. Denn nur so können wir hoffen, unwürdige Situationen und Kämpfe zu vermeiden."

Das Buch eignet sich für die eigene Auseinandersetzung mit dem Sterben, aber auch für Veranstaltungsarbeit zum Thema Tod und Sterben, Würde und Respekt.

Signatur: Fd | Cn
Schlagworte: Tod | Sterben | Würde | Leben
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Der Junge und der Gorilla. Jackie Azúa Kramer. Ill. von Cindy Derby. Dt. von Bernd Stratthaus. Berlin: Annette Betz Verl. 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 22 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-219-11891-9, geb.: 14,95 €

Dieses Buch begleitet einen kleinen Jungen durch die Zeit nach dem Tod seiner Mutter.

Mit ausdrucksstarken Bildern und sehr reduziertem Text sieht der Leser dem kleinen Jungen dabei zu, wie dieser versucht, den Tod und dessen Konsequenzen zu begreifen. Dabei wird er von einem riesigen Gorilla begleitet, der mit ihm alle Momente teilt. Vor allem aber beantwortet der Gorilla alle Fragen des kleinen Jungen, kindgerecht und einfühlsam. Müssen alle Menschen sterben? Wohin gehen sie dann? Auch den Sorgen und Ängsten des Jungen nimmt sich der riesige Affe an und gibt ihm dadurch Raum und Halt. Wo der Vater zunächst mit seiner eigenen Trauer beschäftigt ist, bleibt der Gorilla stets an der Seite des Jungen. Als beide dazu bereit sind, führt der Affe Vater und Sohn letztlich wieder zusammen.
Dieses Bilderbuch kann Trost spenden und Hoffnung geben. Es kann Fragen aufwerfen und Antworten anbieten. Jeder Leser, ob klein oder groß, wird in dem Gorilla eine andere Botschaft lesen. Und gerade das macht dieses Buch so wundervoll.

Ein Buch, das Klein und Groß in Zeiten der Trauer begleiten kann.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Trauer | Tod | Abschied
Bewertung: +++
Rez.: Julia Brede

Damm, Antje: Füchslein in der Kiste. Frankfurt am Main: Moritz 2020. O. Pag. : überw. Ill. ; 26 cm. ISBN 978-3-89565-399-5, geb.: 12,95 €

Ein Fuchs sucht sich als seine letzte Lebensstätte die Waldlichtung der Kaninchen aus.

Ein vegetarischer Fuchs? Nun, die Nahrung, die die tierische Hauptfigur in Antje Damms neuem Bilderbuchkunstwerk zu sich nimmt, steht wohl eher notgedrungen auf seinem Speiseplan. Er ist alt und zahnlos und mag den eigenen Angaben zufolge nur noch Tomatensuppe. Für die aufgeregten Kaninchen, bei denen der Fuchs des Nächtens mit einer großen länglichen Kiste auf ihrer Waldlichtung auftaucht, eine kleine Beruhigung. Man hatte da schon ganz andere Befürchtungen …  Der Fuchs jedoch offenbart nicht nur seinen beachtlichen Vorrat an Tomatensuppenkonserven, sondern weiß auch viel aus seinem Leben zu berichten und kann die Kaninchen einiges lehren. Am wichtigsten dabei wohl, wie man zufrieden und sanft sterben kann.
Zum vierten Mal entwirft Damm eine ganz eigene künstlerische Welt, in der sie ihre gezeichneten Figuren in Dioramen präsentiert und mit Licht, Schatten und Schärfe inszeniert und abfotografiert. Wirklich tolle kleine Szenen, die wunderbar leicht von Sterben, Tod und Trauer in einer eher unvermuteten Gemeinschaft erzählen. Man wird sich an den Fuchs erinnern. Groß im Kleinen. Reduziert auf das (charmante) Wesentliche.

Für alle. Wunderbar um über Tod, Sterben und Trauer zu reden. Thematik Jung/Alt. Leben/Tod. Freund/Feind.

Signatur: Jm 1 | Ju 1
Schlagworte: Tod | Sterben | Gemeinschaft | Erinnerung
Bewertung: +++
Rez.: Anna Winkler-Benders

Dijk, Lutz van: Bis bald, Opa! Ill. von Jens Rassmus. Wuppertal: Peter Hammer 2019. 151 S. : Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-7795-0622-5, geb.: 14,00 €

Eine Kindergeschichte zwischen Hamburg und Kapstadt über Leben und Sterben, Homosexualität und Rassismus.

Daniel macht wie jedes Jahr mit seiner Mutter Urlaub in Südafrika bei seinen beiden Opas. Für Daniel ist es normal, dass sich zwei Männer lieben und verheiratet sind. Und die Kinder, die die Opas bei sich aufgenommen haben, Sive und Panana, sind wie Geschwister für ihn. Doch dieses Mal weiß er, dass Opa Anton schwer krank ist, sterben wird. Außerdem ist Mamas Freund Tom mit seiner Tochter Svenja mit dabei. Und Svenja mag er überhaupt nicht. Doch dann erlebt und lernt Daniel  im Verlauf seiner Reise vieles über das Leben, das Sterben und das Glück, eine liebevolle Familie zu haben. Sterben, Homosexualität, Rassismus und Familienzusammenführung - das erschien mir im Vorfeld zu viel in einem Kinderbuch. Doch van Dijk schreibt fröhlich und völlig unverkrampft über diese Themen und erzählt eine warmherzige und respektvolle Geschichte. Wunderbar geeignet für Kinder ab 9 Jahren. Unbedingt lesens- und empfehlenswert!

In Schule und Kindergruppen zum gemeinsamen Lesen und Auflösung von Vorurteilen genauso geeignet wie als Geschenk zum Alleinelesen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Sterben | Homosexualität | Rassismus | Liebe
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Mein Jimmy. Werner Holzwarth. Ill. von Mehrdad Zaeri. München: Tulipan 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-86429-420-4, geb.: 15,00 €

Ein kleiner Vogel verliert seinen allerbesten Freund, das Nashorn.

Der Vogel Hacki lebt auf dem Rücken des Nashorns Jimmy und pickt die Insekten auf, die Jimmys Rücken bevölkern. Eine Symbiose und Freundschaft zugleich. Aber Hacki trauert, denn er spürt, dass der alte Jimmy nicht mehr lange leben wird. Die beiden beginnen gemeinsame Erinnerungen auszutauschen, Erinnerungen über Siege und Erfolge. Haben sie doch Löwinnen vertrieben und eine Bande Affen vom Baum geschüttelt. Aber jetzt fühlt sich das Nashorn stets müde und  liegt am liebsten herum. Es stirbt in einer sternenklaren Nacht, und der Vogel findet eine neue Heimat auf einem Zebrarücken. Ausdrucksvoll sind die Illustrationen, die das Nashorn vor einer abstrakten Steppenlandschaft zeigen. Mehrdad Zaeri bringt das gewaltige Tier groß ins Bild, mit wenigen Umrissen verleiht er ihm ein gefühlvolles Mienenspiel und eine expressive Körpersprache. Tröstliches, Verschmitztes, Resigniertes! Von Blatt zu Blatt überrascht das versteckte und zutiefst Menschliche in Jimmys Körper und Gesicht.

Ein ansprechendes, anrührendes Bilderbuch über die Freundschaft zwischen Groß und Klein, Alt und Jung, über glückliche Erinnerungen und einen allmählichen Abschied für immer. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Altern | Tod | Freundschaft
Bewertung: +++
Rez.: Barbara von Korff-Schmising

Warum bist du traurig, Opa? Wendy Meddour. Ill. von Daniel Egnéus. Dt. von Tanja Knöll. München: Knesebeck 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. Aus d. Engl. ISBN 978-3-95728-328-3, geb.: 13,00 €

Ein trauernder Großvater und ein Enkel, der ihm durch kindliche Leichtigkeit hilft, sich dieser Trauer zu stellen.

Krümel vermisst seinen Opa. Er ist zwar da, doch gleichzeitig auch nicht. Opa verbringt die Tage zurückgezogen im Garten. Doch das will Krümel nicht dulden, er will mit Opa spielen. Nach und nach gelingt es Krümel mit kindlicher Leichtigkeit, Offenheit und Neugierde, seinen Opa zunächst abzulenken und ihm schließlich einen Weg zu eröffnen, über seine verstorbene Frau zu sprechen.
Das Buch besticht durch seine farbenfrohen Bilder, die gut verdeutlichen, wie unterschiedlich Kinder und Erwachsene mit Verlusten umgehen. So eignet sich das Buch beispielsweise, um Kinder für das Trauerverhalten Erwachsener zu sensibilisieren.

Kindern wird hier ermöglicht, über eigene Gefühle und Interessen, aber auch die Gefühle und Interessen der Erwachsenen nachzudenken. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Abschied | Trauer | Tod | Großeltern
Bewertung: +++
Rez.: Julia Brede

Sandén, Mårten: Haus ohne Spiegel. Dt. von Birgitta Kicherer. Ill. von Cornelia Haas. Frankfurt: Sauerländer 2019. 139 S. : Ill. ; 22 cm. Aus d. Schwed. ISBN 978-3-7373-5464-6, geb.: 12,00 €

Die Großmutter liegt im Sterben, und alle sind im alten Haus. Da entdecken die Kinder ein verborgenes Zimmer ...


Eine bedrückte Stimmung herrscht in der Familie, und nicht nur wegen Henrietta, der sterbenden Großmutter oben unter dem Dach; es ist eher so als wären sie alle mehr tot als lebendig, gefangen in einer großen Wolke von Traurigkeit und gegenseitiger Abneigung. Während der Vater bei seiner Mutter wacht, entdecken die Kinder in einem Schrank eine gespiegelte Wirklichkeit, in der sie Hetty treffen (ihre Großmutter als Kind) –  lange vor dem schrecklichen Ereignis, dem Tod eines kleinen Jungen, das seine Schatten immer noch wirft und das schwierige Zusammenleben der Familienmitglieder bestimmt. Manches bleibt irrational, ja unverständlich, will vom Leser eher erfühlt als verstanden werden. Ein fantastisch-fantasievolles und philosophisches Buch, das den Leser mit seiner unwirklichen Wirklichkeit wie ein Traum fasziniert und das in einer extrem spannenden Geschichte eine kindgerechte und trostreiche Auseinandersetzung mit Tod und Trauer bietet, die es für Groß und Klein zu bewältigen gilt.

Vor allem einsetzbar in Familien oder Kindergruppen nach dem Verlust eines Nahestehenden. Auch von erwachsenen Lesern mit großem Gewinn zu lesen - in jeder Hinsicht hilfreich!

Signatur: Ju 2 | Ju 3
Schlagworte: Familie | Tod | Trauerbewältigung | Fantastik
Bewertung: +++
Rez.: Astrid van Nahl

Lerch, Tankred: Der Rüberbringer. Oder Ein irrer Trip zwischen Leben und Tod. Roman. Weinheim: Beltz & Gelberg 2019. 302 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-407-81239-1, kt.: 14,95 €

Nach einem gescheiterten Suizid wacht Red in der Jugendpsychiatrie auf. Dort lernt er Hanna kennen und lieben. 

Nachdem der 16jährige Red einen Selbstmordversuch unternommen hat, soll er in der Jugendpsychiatrie mit Hilfe einer Gruppentherapie wieder auf die Beine kommen. Dort trifft er Joe, den offenbar aber nur er zu sehen scheint und der ihn mit seinen Ratschlägen und dauernden Sticheleien total nervt. Joe hält sich für den Coolsten, will Red den Sinn des Lebens erklären und bringt ihn dazu, zu stehlen, mit seiner Nachbarin zu schlafen und sich ein Tattoo stechen zu lassen. Reds Alltag wird immer chaotischer, doch als er in der Gruppe Hanna trifft, entwickelt sich zwischen den beiden eine Freundschaft, aus der schnell mehr wird. Als Hanna an einer schweren Krankheit stirbt, bricht er zusammen und erwacht wieder in der Psychiatrie. Hat er alles nur geträumt? Tankred Lerch erzählt die Geschichte eines Außenseiters aus der Ich-Perspektive, die gegen Ende eher fantastische Züge bekommt und etwas abflacht. Ein ernstes Thema, geschickt aufbereitet mit einer gehörigen Portion schrägem Humor.

Ein unterhaltsamer Roman, vorzugsweise für Jugendliche und junge Erwachsene ab 16 J., der breit empfohlen wird.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Psychiatrie | Tod | Humor | Sinnsuche
Bewertung: +++
Rez.: Wolfgang Vetter

Abschied, Tod und Trauer. Patricia Mennen. Ill. von Melanie Brockamp. Ravensburg: Ravensburger Buchverl. 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 28 cm. (Wieso? Weshalb? Warum?). ISBN 978-3-473-32956-4, spiralgeb.: 14,99 €

Ein Bilderbuch zu den Themen Abschied, Tod und Trauer aus der Reihe "Wieso? Weshalb? Warum?"


In diesem Sachbilderbuch werden die Themen "Abschied, Tod und Trauer" für die Zielgruppe der Vier- bis Siebenjährigen thematisiert. Mithilfe der detailreichen anschaulichen Bilder wird eine Familie begleitet, die sich von der erkrankten Großmutter verabschieden muss. Kindgerechte, thematisch umfangreiche Texte erklären nicht nur die Orte, die von der Familie dabei aufgesucht werden (beispielsweise ein Hospiz, der Friedhof, das Bestattungsunternehmen), sondern auch deren dabei auftretenden Gedanken und Gefühle. Erstaunlich viele Aspekte werden dabei angesprochen, unter anderem Sterbephasen, die Endlichkeit des Lebens, Trauer und Trost, der Ablauf einer Beerdigung, verschiedene Bestattungsformen und die Bedeutung von Erinnerungen. Dabei hilft die Darstellung durch Klappelemente im Buch dabei, auch Gefühlsveränderungen eindrucksvoll abzubilden. Dies macht das Buch sehr ansprechend, leicht zugänglich und gibt ihm einen hohen Aufforderungscharakter. 

Ein Kindersachbuch, das durchaus auch mit älteren Kindern zu beeindruckenden Gesprächen über Abschied, Tod und Trauer führen kann. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Trauer | Abschied
Bewertung: +++
Rez.: Julia Brede

Castaño Mesa, Samuel: Die Uhr meines Großvaters - El reloj de mi abuelo. Ein Bilderbuch aus Kolumbien. Zweisprachig Deutsch – Spanisch. Dt. von Jochen Weber. Basel: Baobab 2019. O. Pag. : überw. Ill. ; 23 cm. Aus d. Span. ISBN 978-3-905804-91-1, geb.: 17,00 €

Ein kolumbianisches Bilderbuch erzählt, wie sehr Großvaters alte Pendeluhr in der Familie die Zeiteinteilung vorgibt.

Der Enkel erinnert sich daran, dass das Alltagsleben seiner kolumbianischen Familie dem Takt einer alten Pendeluhr, die vom Großvater regelmäßig aufgezogen wird, folgt, bis dieser eines Tages stirbt. Danach scheint die Zeit still zu stehen: Die Suppe bleibt kalt, Blumen verwelken nicht, ein Kind kommt nicht zur Welt. Die Trauer über den Verlust des Familienmitglieds verändert offenbar das Gefühl für die Zeit. Erst als der Junge im Nachlass den Pendeluhr-Schlüssel findet und diesen betätigt, beginnt ein neues Leben. Die vielseitig gestaltete Illustration besteht auf jeder Seite aus detailliert gezeichneten Menschen, Tieren und Gegenständen sowie Aquarell- und Collage-Elementen. Es gibt viel aus früherer Zeit zu entdecken, jedoch auch den Blick auf Zukünftiges frei: Kinderspielzeug und -zeichnungen.  Das Buch enthält ein Nachwort des Verfassers und Illustrators, das dessen Motivation aufdeckt, nämlich dazu anzuregen, das Verhältnis des Menschen zur Zeit zu reflektieren.

Das zweisprachig verfasste Bilderbuch wird wegen seiner interkulturellen Ausrichtung, seines schönen Textes und der anregenden Illustration für Vor- und Grundschulkinder sehr empfohlen.l

Signatur: Jm 1 | Ju 1
Schlagworte: Interkulturalität | Zeit | Trauer | Kolumbien
Bewertung: +++
Rez.: Margot Rickers

Schneider, Anne u. Nikolaus: Vom Leben und Sterben. Ein Ehepaar diskutiert über Sterbehilfe, Tod und Ewigkeit. Im Gespräch mit Wolfgang Thielmann. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verl. 2019. 153 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-7615-6533-9, geb.: 14,99 €

Ehepaar Schneider im Gespräch mit W. Thielmann über Glauben, über assistierten Suizid und das Leben.

Die Theologen Nikolaus und Anne S. sind nicht einer Meinung über die Frage des assistierten Suizids. Respektvoll und engagiert zeigen sie die Widersprüchlichkeit der Argumentationen und das Spannungsgefüge zwischen individueller und ethisch-rechtlicher Entscheidung auf. Auf dem Hintergrund ihrer sehr aggressiven Brustkrebserkrankung vor vier Jahren und dem Tod der Tochter Meike durch Leukämie vor 14 Jahren bekommen ihre Thesen, Sichtweisen und theologischen Deutungen eine sehr persönliche Note und laden ein, den eigenen Standpunkt zu be- und überdenken. „Die vertrauensvollen und widersprüchlichen Gedanken dieses Buches sollen zum Einordnen, Akzeptieren und Umgehen mit den großen Lebensthemen Sterben und Tod dienen.“ Ihr Fazit: „Gutes Leben und gutes Sterben brauchen vertrauensvolle Beziehungen, Bejahung von Vielfalt und Vielstimmigkeit sowie den Mut zu Widerspruch“. Ein sehr gelungener Diskurs über die Grenzen und die Freiheit eines Christenmenschen zu einem gesellschaftspolitischen Thema!

Hervorragend geeignet für Veranstaltungsarbeit zu Glaube und Lebensende, Assistierter Suizid und Sterbebegleitung.

Signatur: Pa 3 | Ce
Schlagworte: assistierter Suizid | Sterbehilfe | Sterben | Tod
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Achenbach, Thomas: Männer trauern anders. Ostfildern: Patmos 2019. 167 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-8436-1131-2, kt.: 17,00 €

Umfassendes Wissen und praktische Tipps zum besseren Verständnis von Männern in ihrer Trauer.


Der Redakteur und zertifizierte Trauerbegleiter Thomas Achenbach nimmt sich dem Thema Männertrauer an. Da es keine wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema gibt, greift er Erfahrungen aus seiner Begleitungstätigkeit auf und stellt Thesen auf, was Männer von Frauen unterscheidet und warum Männer sich in der Trauer oft anders verhalten als Frauen. Dabei ist er sich der Falle bewusst, in Klischees zu verfallen, die dabei nicht wirklich weiterhelfen. In 7 Kapiteln macht er sich Gedanken und stellt Thesen auf zu den Aspekten: Was unterscheidet Männer von Frauen? Wie gehen Männer mit Ohnmacht um? Männer reden, aber anders. Was hilft Männern, ihren Schmerz zu bewältigen und was tut ihnen gut? Welche Bedeutung hat die Arbeit und wie können sie ihre Trauer ausleben? Dabei informiert er über Trauer allgemein und Trauersymptome und gibt Tipps wie man einen guten Trauerbegleiter findet. So ist ein Ratgeber für betroffene Männer und ihre Unterstützer entstanden.

Für alle, die sich mit dem Thema „Männertrauer" auseinandersetzen wollen oder müssen.

Signatur: Fd | Cn
Schlagworte: Männer | Trauer | Trauerbegleitung | Verlust
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Hütten, Felix: Sterben lernen. Das Buch für den Abschied. München: Hanser 2019. 251 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-446-26025-2, geb.: 20,00 €

Ein Ratgeber für alle über das Sterben und zur Vorbereitung von Erkrankten und ihren Angehörigen.

Sterben könnte manchmal ein Stückchen leichter werden, wenn wir mehr darüber wüssten. Felix Hütten (Anfang dreißig) hat ein Buch über das Sterben geschrieben, das gut und unverkrampft informiert, nicht langweilig und kein Fachaufsatz ist. Wach und nahe an den Menschen und den Lesenden geht er in den Dialog, lässt teilhaben an eigenen Fragen und Erfahrungen z.B. von Frau B., die ihren Mann bis zum Tod begleitet hat. Wir wünschen uns einen "guten" Tod - was immer das heißen mag", schreibt er und sucht Antworten auf die vielen Fragen, die wir Menschen haben. Er macht deutlich, dass das Sterben meist ein Prozess ist, dem Betroffene und ihre Angehörigen anfangs ohne großes Wissen gegenüberstehen. Er beantwortet die vielen Fragen rund ums Sterben menschlich und faktenreich. Tut das Sterben nach einer langen Krankheit weh? Was alles kann "Sterbehilfe" bedeuten? Er geht auf das Thema "Bürokratie" genauso ein wie auf "Humor“. Ein lebendiges, leicht zu lesendes und gut informierendes Buch.

Für alle, die sich auf das Sterben und/oder die Begleitung von Angehörigen vorbereiten möchten.

Signatur: Fd | Cn
Schlagworte: Sterben | Tod | Pflege
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Kühn, Antonia: Lichtung. Berlin: Reprodukt 2018. 245 S. : überw. Ill. ; 23 cm. ISBN 978-3-95640-147-3, geb.: 24,00 €

Nachdenkliche Graphic Novel für Erwachsene, die sich dem Thema Suizid und Trauerbewältigung behutsam nähert.


Die Geschwister Paul und Laura leben allein mit ihrem Vater, da sie vor einer Weile ihre Mutter durch Suizid verloren haben. Während Laura in der Pubertät ist und sich rebellisch und abweisend verhält, begleiten wir den jüngeren Paul, wie er versucht den Tod der Mutter zu verarbeiten. Paul erinnert sich oft an die Mutter, träumt von ihr und versucht so den Schmerz zu verarbeiten. Laura macht währenddessen die Nachbarschaft in einer Jugendgang unsicher. In kunstvollen, expressionistisch wirkenden Bleistiftzeichnungen erschafft Antonia Kühn eine behutsame, nachdenkliche Graphic Novel, die in metaphernreichen, träumerischen Bildern die Gefühlswelt der Trauernden einfängt. Die Erzählung schwankt zwischen der Welt der Erinnerung an die Mutter und der Zeit nach dem Tod in der das Schweigen und das Nicht-darüber-reden-können das Leben der Familie bestimmt. Eine wunderschön gezeichnete, nachdenkliche Graphic Novel für Erwachsene, die sich dem Thema der Trauerbewältigung kunstvoll nähert.

Diese Graphic Novel für Erwachsene eignet sich gut dem Thema Suizid und Trauerbewältigung näher zu kommen.

Signatur: SL | Ju 3
Schlagworte: Suizid | Trauerbewältigung | Trauer
Bewertung: +++
Rez.: Christian Prange

Freytag, Anne: Nicht weg und nicht da. Roman. München: Heyne fliegt 2018. 479 S. ; 22 cm. ISBN 978-3-453-27159-3, geb.: 16,00 €

Zwei junge Menschen, zwei Schicksale und die Erkenntnis, dass das Leben aus der tiefsten Dunkelheit auftauchen kann.

Fünfzehn Jahre lang hatte Luise ihren großen Bruder und besten Freund an ihrer Seite. Doch als Kristopher sein Leben beendet, scheint für Luise auch diese besondere Beziehung zu enden. Dem radikalen Einschnitt in ihrem Leben folgt eine radikale Schädelrasur und eine unerwartete Begegnung. Jakob, selber vom Leben enttäuscht, schafft es als einziger an Luises Schutzschild zu rütteln. Als sich schließlich herausstellt, dass Kristopher sich in kleinen Schritten von seiner Schwester verabschieden wird, bekommt Jakob eine wichtige Rolle in Luises Leben.
Anne Freytag erzählt die Geschichte von der Trauer um die Geschwisterbeziehung, die Selbstfindung einer jungen Frau und die Hoffnung auf eine junge Liebe aus der Sicht von Luise und Jakob.
Die Erkenntnis, dass Verlust und Gewinn nah beieinander liegen können, vermittelt Anne Freytag in gefühlvoller Sprache, die sowohl Jugendliche als auch Erwachsene anspricht.

Ein Buch für jeden, der sich dem Tod, der Liebe, der Freundschaft und dem Leben stellen und dabei beeindruckende Worte lesen möchte.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Trauer | Tod | Freundschaft | Abschied
Bewertung: +++
Rez.: Julia Brede

Höfler, Stefanie: Der große schwarze Vogel. Roman. Weinheim: Beltz & Gelberg 2018. 181 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-407-75433-2, geb.: 13,95 €

Berührender Roman über das Weiterleben nach dem  Tod der Mutter.

An einem strahlenden Oktobertag stirbt Bens Mutter unerwartet. Von diesem Moment ausgehend, erzählt der Junge von den Ereignissen, die dem Tod unmittelbar folgen sowie vom Davor und Danach. Davor: das sind kleine Episoden aus dem Leben mit einer hochemotionalen, unangepassten, aufbrausenden und leidenschaftlichen Mutter. Danach: das ist die erste Liebe, Zukunftspläne schmieden, als verkleinerte Familie wieder zueinander finden.
Stefanie Höfler hat sich hier wieder ein schwieriges Thema vorgenommen. Und auch hier zeigt sie ein großes Einfühlungsvermögen in die Emotionen eines Jugendlichen, der nicht nur mit dem Tod der Mutter, sondern auch mit einem Vater, der zeitweilig völlig aus der Bahn geworfen und außerstande ist, sich gut um ihn und seinen kleinen Bruder zu kümmern, zurechtkommen muss. Die Geschichte hat (nachvollziehbar) kein Happy End, deutet aber an, dass die Familie sich ein Jahr später auf einem guten Weg der Heilung befindet: Sie pflanzt der baumvernarrten Mutter einen Apfelbaum aufs Grab, Ben erkundigt sich in einer Gärtnerei nach einem Praktikumsplatz, eine erste Liebe zeichnet sich ab und er hat einen Freund, wie man ihn sich besser nicht wünschen könnte.

Ein berührender, kluger Roman. Sehr gern empfohlen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Tod | Trauer | Hoffnung | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Wiebke Mandalka

Zimakoff, Daniel u. Redntorff, Ina-Marie: Donnerschnitzel. Mein Opa ist ein Papagei. Dt. von Friederike Buchinger. Ill. von Alexander Bay Alexandersen . Hamburg: Carlsen 2018. 106 S. : Ill. ; 21 cm. Aus d. Dän. ISBN 978-3-551-55196-2, geb.: 10,99 €

Hugo meint seinen verstorbenen Opa in einem Papagei wieder zu erkennen.

Hugo lebt mit seiner Familie in einem Haus, in dem auch Opa wohnt. Liebend gerne verbringt Hugo seine Zeit bei ihm. Opa ist Meister im Pokern, backt die weltbesten Rosinenbrötchen, steht Hugo mit Rat und Tat bei und kommentiert vieles mit dem Wort „Donnerschnitzel". Als Opa stirbt, ist Hugo sehr traurig. Eines Tages, gerade als Hugo mit seinem besten Freund Dylan an einer Tierhandlung vorbei geht, hören sie das besagte „Donnerschnitzel“. Sie entdecken einen wunderschönen gelben Papagei und sind sich sofort sicher, dass das ein klarer Fall von Seelenwanderung ist. Hugo will seinen Opa zurück. Leider haben die Jungen nicht genug Geld um den Papagei zu kaufen. Also starten sie „Operation Türklingel“. Sie kaufen für ältere Menschen ein oder machen Botengänge. Als sie das Geld zusammen haben, hat der Tierhändler den Papagei aber schon verkauft… Eine einfühlsame Geschichte zum Thema Tod, in der aber auch der Humor und die Abenteuerlust der beiden Jungs nicht zu kurz kommen.

Zum Vorlesen ab acht Jahren, zum Selberlesen ab neun Jahren für Jungen und Mädchen gerne empfohlen. Mit witzigen Zeichnungen.

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Familie | Freundschaft | Tod | Trauer
Bewertung: +++
Rez.: Christine Schwendener

Steinbach, Jan: Willems letzte Reise. Roman. Berlin: Rütten & Loening 2018. 301 S. ; 20 cm. ISBN 978-3-352-00909-9, geb.: 14,00 €

Willems Versprechen an Finn und sein Wunsch, noch einmal das Richtige zu tun.


Willem lebt nach dem Unfalltod seiner Frau verbittert und mit seinen Kindern entzweit auf seinem Hof in Ostfriesland. Da taucht seine in Trennung lebende Tochter Marion mit ihrem Sohn Finn auf und bittet ihn, auf Finn aufzupassen. Dem 9jährigen gelingt es, das Herz seines Großvaters zu gewinnen. Gemeinsam reparieren und restaurieren sie den Oldtimertraktor des Hofes - einen Lanz. Während der Arbeiten verspricht Willem Finn mit ihm auf dem Traktor zum Herstellungswerk des Lanz nach Mannheim und von dort weiter nach Speyer zum Traktor-Oldtimertreffen zu fahren - irgendwann, später. Doch dann bekommt er die Nachricht, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Unfähig mit seiner Tochter über seine Erkrankung zu reden, „entführt" er Finn aus dessen Ferienlager und macht sich auf die Reise. In Rückblenden wird die Geschichte Willems und seiner Familie erzählt. Eine Familien- und Lebensgeschichte, humorvoll und schlicht von Jan Steinbach erzählt, die mich sehr berührt hat.

Wunderbar geeignet, sich mit seinem Leben, dem bevorstehenden Tod und dem, was wirklich wichtig ist im Leben auseinanderzusetzen.

Signatur: SL
Schlagworte: Leben | Sterben | Familie | Beziehung
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Herrick, Steven: Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen. Dt. von Uwe-Michael Gutzschhahn. Stuttgart: Thienemann 2018. 239 S. ; 22 cm. Aus d. austral. Engl. ISBN 978-3-522-20246-6, geb.: 15,00 €

Der Tod der Mutter überschattet die Kindheit der beiden Brüder. Dennoch ist ihr Leben voller poetischer Kraft.

Im Stil getwitterter Gedichte schreibt Herrick eine wunderbare Geschichte vom Hineinwachsen in die schonungslosen Wahrheiten des Lebens zwischen Tod und Liebe. Besonders der sprachliche Stil kommt jungen Lesenden entgegen und vermag in seiner Kürze doch lyrische Strahlkraft zu entwickeln. Der halbwaise Protagonist hat von seinem tapferen Vater Geradlinigkeit und Gerechtigkeitsempfinden geerbt. Beide Eigenschaften bringen ihn immer wieder in Konflikt mit dubiosen Angebern und Möchtegernhelden der kleinen Stadt, die von Klatsch und Naturgewalten gleichermaßen in Atem gehalten wird. Nebenbei muss er noch zum Mann reifen, die Trauer seines Vaters mittragen, seine eigenen Verluste bewegen und mit den Anzeichen der Liebe kämpfen. In kurzen Sequenzen aus Naturbeobachtungen, sportlichen Wagnissen, Wortwechseln und sprechendem Schweigen entsteht eine ganze Welt von großer Menschlichkeit.

Konfiunterricht (Leseerfahrung), Gottesdienst für junge Menschen.

Signatur: Ju 3
Schlagworte: Trauer | Abschied | Familie | Mut
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Pásztor, Susann: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster. Roman. Köln: Kiepenheuer & Witsch 2017. 285 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-462-04870-4, geb.: 20,00 €

Ist das wahr oder ist das Kitsch? Ist das möglich? Eine Sterbebegleitung auf Umwegen zwischen Witz und Schock.

Fred ist Mitte 40 und übergewichtig, zieht nach einer Scheidung seinen Sohn Philipp allein groß, der gerade in die Pubertät kommt und ein Lyrik liebender liebenswerter Sonderling ist. Das Liebenswerte hat er mit seinem einsamen, spießigen aber offenherzig ratlosen Vater gemeinsam. Fred ist irgendein Beamter, ohne Hobbys, ohne Ausschläge, aber mit viel Aufmerksamkeit für Phil. So weit so gewöhnlich. (Ist das vielleicht schon ein bisschen zu stereotyp?) Fred entscheidet sich, eine Ausbildung zum ehrenamtlichen Sterbebegleiter zu machen und zu Beginn des Romans tritt er seinen ersten Dienst an: bei Karla. Sie ist Fotografin, Hippiegirl und Immobilienhändlerin gewesen. Mit Anfang 60 stirbt sie zügig an einem Schilddrüsenkrebs. Die Chemotherapie hat sie abgebrochen. Sie leidet und schwankt zwischen witzig zynischer Giftigkeit und kluger Ehrlichkeit. Sie findet Fred doof. Er versteht sie nicht. Aber alles kommt anders. Und wie es anders kommt, ist wunderbar. Phil spielt auch eine Rolle.

Empfohlen für Literaturgottesdienste, Jugendarbeit, Hospizarbeit, Krankenhausbibliothek

Signatur: SL
Schlagworte: Tod | Kampf | Wut | Witz
Bewertung: +++
Rez.: Christiane Thiel

Taylor, Cory: Sterben. Eine Erfahrung. Dt. von Ulrike Kretschmer. Berlin: Allegria 2017. 171 S. ; 20 cm. Aus d. Amerikan. ISBN 978-3-7934-2318-8, geb.: 18,00 €

Eine gelungene Auseinandersetzung mit dem bevorstehenden Sterben.

Schon zehn Jahre lebte die Schriftstellerin Cory Taylor mit der Diagnose Krebs. Als sie spürt, dass ihre Lebenszeit zu Ende geht, beginnt sie über das Sterben zu schreiben. Es ist ein Anliegen ihres Buches, Sterbende aus der Einsamkeit zu befreien. Aufrichtig spricht Cory Taylor über die Angst vor dem Tod und darüber, was ihr geholfen hat, zur Ruhe zu kommen. Bei einer Fernsehsendung zu Tabuthemen – hier dem Tod – erhielt die Autorin zum Einstieg zehn von Zuschauern gestellte Fragen. Diese Fragen nutzt sie im ersten Teil des Buches als Ausgangspunkte ihrer Gedankengänge. Im zweiten Teil berichtet sie humorvoll und spannend über ihr Leben. In der Bearbeitung ihrer Familiengeschichte und in den nüchternen Überlegungen zum bevorstehenden Tod gibt sie dem Leser eine Fülle von Anregungen zur eigenen Auseinandersetzung. Dieses Buch kann wie ein Geschenk erlebt werden, weil es Gelegenheit gibt, zunehmend Ruhe und Gelassenheit beim Gedanken an den eigenen Tod zu spüren.

Ein äußerst bemerkenswertes Buch für jeden, der sich mit dem Sterben auseinandersetzt.

Signatur: Fd
Schlagworte: Sterben | Leben | Gelassenheit | Familiengeschichte
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Knauss, Sibylle: Der Gott der letzten Tage. Roman. Tübingen: Klöpfer & Meyer 2017. 182 S. ; 19 cm. ISBN 978-3-86351-440-2, geb.: 20,00 €

Ein Pfarrer zieht vor dem Tod seine Lebensbilanz in Form eines Gesprächs mit Gott und nimmt Abschied von der Familie.

Ein Mann, Pfarrer von Beruf, liegt im Sterben. Zeitweise wiedererwacht aus dem Koma, medikamentös „lahmgelegt“, denkt er nach, erinnert sich. Er predigte besonders gut an Gräbern. Nun ist er über sein Hauptthema Tod und über sein verflossenes Leben mit Gott im Gespräch. Nach einer Embolie wurden ihm noch zehn Jahre geschenkt – Leben im „Sparflammenmodus“. Vieles kam ihm abhanden, um vieles hat er sich selber gebracht „mit Wut, Gewalt, Zigaretten, Alkohol und manch anderem.“ Religion beschäftigt ihn auf neue Weise: „Sie weckt unsere Sinne und Leidenschaften. Sie lockt uns an unsere Grenzen und darüber hinaus. Nur die erotische Liebe kann es mit ihr aufnehmen.“ Warum nur sind die meisten Menschen „religiös abstinent“? Stilsicher, nicht ohne Ironie und Humor wird dieser Dialog im Innenleben erzählt. In der äußeren Wirklichkeit treten seine Kinder und seine Geliebte an sein Bett. Mit ihnen spricht er über sein Versagen, seine Schuld. Mit Gott über Unverfügbares, über die letzten Dinge.

Das Buch sei Leserinnen und Lesern empfohlen, die raffinierte unkonventionelle Erzählweisen schätzen und an einem freien Umgang mit theologischen Fragen interessiert sind.

Signatur: SL
Schlagworte:
Sterben | Tod | Gott
Bewertung: ++
Rez.:
Christoph Kuhn

Tante Fannys Stern. Wenn Kinder dem Tod begegnen. Brigitte Weninger. Ill. von Feridun Oral. Bargteheide: minedition 2016. O. Pag. : überw. Ill. ; 30 cm. ISBN 978-3-86566-302-3, geb.: 14,95 €

Eine berührende Geschichte über das Zusammenleben mehrerer Generationen, zu dem auch der Tod gehört.

In der vermenschlichten Hasengeschichte erklärt die Mutter ihren drei Kindern, warum die Großtante zukünftig bei ihnen leben wird und spricht über das Altern. Liebevoll unterstützt die Mutter die Familie dabei, durch Veränderungen im Haus die Aufnahme der alten Frau vorzubereiten. Im Zusammenleben mit der alten Häsin haben die Geschwister bald viel Spaß. Manchmal wirkt die Alte merkwürdig, so auch wenn sie abends den Sternen zuwinkt und erzählt,  dass sie irgendwann „dort hinauf“ fliegen wird. Als die Tante schwächer wird, umsorgen die Kinder sie zärtlich. Nach tröstlichen Hinweisen auf ihren Tod stirbt die alte Häsin. Als hilfreich für die Kinder erweisen sich nach dem Tod die vorbereitenden Gespräche der alten Häsin und auch, dass die Kinder bei den Trauerritualen mitwirken dürfen. Der Text ist gut verständlich und stimmig zu den großformatigen Bildern. Viele liebevoll gemalte Details laden zum längeren Betrachten ein. Die Tierfiguren erleichtern es Kindern ab 3 Jahren, sich mit den Protagonisten zu identifizieren und über eigene Gefühle und Vorstellungen zu reden.

Eine Hommage an das Zusammenleben von Jung und Alt mit empfehlenswerten Hinweisen für eine gelungene Trauerverarbeitung.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Sterben | Trost | Trauer | Generationen
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Raschke, Jens: Schlafen Fische? Ill.von Jens Rassmus. München: Mixtvision 2017. 57 S. : Ill. ; 22 cm. (Dramatiker erzählen für Kinder). ISBN 978-3-95854-070-5, geb.: 17,90 €

Bebildertes Kinderbuch zur Trauerbewältigung eines 10-jährigen Mädchens nach dem Tod des kleinen Bruders.

Der 10-jährigen Jette gehen viele Gedanken über das Leben und das Sterben durch den Kopf. Vor einem Jahr ist ihr 6-jähriger Bruder Emil gestorben. Rückblickend erzählt die Protagonistin vom früheren Leben mit Emil, von einem Urlaub in Dänemark oder von einem Rollenspiel, bei dem die Geschwister so taten, als wäre Emil schon gestorben. Sie erzählt auch von Emils Beerdigung und von der Zeit nach seinem Tod, als die Mutter so viel weinte und Jette wütend war, weil der Bruder nicht mehr da war. Jette stellt dem Vater viele Fragen über das Wie und Warum des Sterbens, die der Vater ruhig beantwortet. Von der Mutter fühlt sich Jette jedoch vernachlässigt und es hilft ihr, darüber zu sprechen. Die kleinen, comicartig gemalten Bilder laden zum Betrachten ein. Die Sprache der Texte ist kindgemäß. Die Protagonistin erzählt von Empfindungen, die nach jedem Todeserleben auftreten. So ergeben sich beim gemeinsamen Lesen mit Kindern an vielen Stellen Einstiegsmöglichkeiten zu weiteren Gesprächen.

Ein unterstützendes Buch für die Trauerarbeit von Geschwisterkindern ab 8 Jahren. 

Signatur: Ju 2
Schlagworte: Sterben | Tod | Trauer | Geschwister
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer

Opa, welche Farbe hat der Tod? Annett Stütze u. Britta Vorbach. Ill. von Mascha Greune. Ostfildern: Patmos 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 25 cm. ISBN 978-3-8436-0953-1, geb.: 13,00 €

Opa Hase bereitet seinen Enkel auf sein baldiges Sterben vor.

Opa Hase spürt, dass dies sein letzter Frühling ist. Ihm ist wichtig den kleinen Hasen auf den Tod vorzubereiten. Obwohl auch er Angst hat über den Tod zu sprechen, ermutigt er den kleinen Hasen zu fragen: Warum stirbst du?  Welche Farbe hat der Tod? Kann man den Tod hören? Tut sterben weh? Wohin gehst du, wenn du stirbst? Opa Hase versucht zu antworten und gibt dem kleinen Hasen mit: „Wenn du an mich denkst, werde ich immer bei dir sein.“ und erklärt: „Weine so lange und so viel du willst. Dann wird es etwas leichter werden.“. Sie genießen die ihnen noch gemeinsame Zeit bis Opa Hase stirbt. Wunderbar einsetzbar, um Kinder auf das Sterben eines Familienangehörigen vorzubereiten.                            

Auch als Einstieg in das Thema „Tod und Sterben" in der Kita,  Grundschule oder Gemeinde geeignet, um Kinder zum Fragen und Aussprechen ihrer Ängste zu ermutigen. 

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Sterben
Bewertung: +++
Rez.: Christine Stockstrom

Mikas Himmel. Bibi Dumon Tak. Ill. von Annemarie van Haeringen. Dt. von Meike Blatnik. Hildesheim: Gerstenberg 2017. O. Pag. : überw. Ill. ; 27 cm. Aus d. Niederländ. ISBN 978-3-8369-5939-1, geb.: 12,95 €

Behutsame Begleitung eines kleinen Jungen nach dem Tod seines geliebten Hundes.

Die Bilderbuchgeschichte erzählt von den Empfindungen eines Jungen, der hier Kleiner Bruder genannt wird, nach dem Tod seines geliebten Hundes. In dem Moment, als der Hund stirbt, ist die Familie beisammen. Obwohl es stark regnet und gewittert, öffnen sie das Fenster. Wortlos verdeutlicht der Junge seinen Gedanken, dass Mika nun wohl im Himmel und zugleich auch bei ihnen ist. Liebevoll wird die Anregung des kleinen Bruders von seiner Familie aufgenommen: Sie graben ein Loch als Grab, streuen Blätter und Gras hinein und legen einen Ball zum Spielen hinzu. Der kleine Bruder stellt viele Fragen und die Älteren verstehen es, beruhigende und aufrichtige Antworten zu geben. Die Sprache ist kindgemäß und poetisch. Auf den großformatigen Doppelseiten überwiegt die Farbe Schwarz. Mehrfach sind die Konturen eines großen, schwarzen Hundes zu sehen und um ihn herum mit wenigen Strichen gezeichnete Motive, die zum Erzählen einladen. Die Geschichte endet tröstlich.

Empfehlenswert zum Verständnis der kindlichen Todesvorstellung und als Gesprächseinstieg für Kinder von 4-8 Jahren.

Signatur: Jm 1
Schlagworte: Tod | Sterben | Haustier
Bewertung: +++
Rez.: Barbara Cramer