"Kirche kann ein Hafen sein."
Am 20. Mai war es endlich soweit und in Nürnberg fand die öffentliche Preisverleihung an die aus Magdeburg stammende Autorin Annett Gröschner im gut besuchten Heilig-Geist-Saal statt.
„Übersicht über das eigene Leben zu erhalten, wer wollte das nicht? Auch das habe ich durch die Lektüre gelernt. Liebe Frau Gröschner, mit Ihrem Roman haben Sie uns ein großes Geschenk gemacht“, so dankte der Vorsitzende des Ev. Literaturportals, der württembergische Landesbischof Ernst-Wilhelm-Gohl, Annett Gröschner in seinem Grußwort. Gröschner thematisierte in ihrer Dankesrede, dass sie überrascht gewesen sei, den mit 10 000 € dotierten Preis für ihren Roman “Schwebende Lasten” zu bekommen, da sich ihre Heldin Hanna Krause, Blumenbinderin und spätere Kranfahrerin, von der Kirche abwende und auch sie selbst sei weder getauft noch in der Kirche. Gleichzeitig erinnert sie sich aber an die Johanniskirche, einen wichtigen Ort ihrer Kindheit in Magdeburg und fügt hinzu, dass Kirchen für sie immer auch Orte gesellschaftlicher Verantwortung gewesen seien – etwa beim Kirchenasyl oder während der Friedlichen Revolution in der DDR. „Die Kirche war nie ein sicherer Hafen, aber sie kann ein Hafen sein“, fasste es Gröschner treffend und authentisch zusammen. Auf die Frage, von Dr. Susanne Krones vom Verlag C.H. Beck, was sie sich angesichts des wachsenden gesellschaftlichen Zuspruchs der AFD von der Kirche wünsche, apellierte Gröschner an die menschliche Macht der Kirche mit dem Aufruf: “Bildet Banden!”
In Ihrer Laudatio würdigte Katrin Gottschalk, Chefredakteurin der taz, die zunächst leise, aber dann doch überwältigende Wirkmacht des Romans. Hanna Krause sei ihr nach dem anfänglichen Eindruck der Beliebigkeit ihres Schicksals fast unmerklich ans Herz gewachsen: “Befragen Sie sich einmal ganz genau, liebes Publikum: Wie viele Bücher schaffen das wirklich? Dass Sie denken, Sie würden eine echte Person kennenlernen? Ich jedenfalls denke seither oft an Hanna Krause.” Abgerundet wurde die Preisverleihung durch die musikalische Begleitung des Trios “Noema”.
Hier finden Sie die Laudatio von Katrin Gottschalk zum Nachlesen.
Alle Fotos © ELKB/MCK