Amen

Marcel Möring

Der Weggang seiner Frau Joyce führt den niederländischen Juden Samuel Hagenau über ein ausgebranntes Auto mit Leiche in seine eigene Vergangenheit und lässt ihn dadurch sich selbst erkennen.

Marcel Möring, erfolgreicher niederländischer Autor dieser Tage, führt in seinem Roman - von Helga von Beuningen wieder vortrefflich ins Deutsche übersetzt - einen Menschen an und in den Rand seines Selbst. In der Form einer Ich- Erzählung bringt er die Hauptperson Samuel dazu, über das Verhältnis zu seiner Frau, seinen Eltern und zu sich selbst die Geschichte seines Lebens vor sich und der Leserschaft aufzublättern und sehnsuchtsvoll zu vertiefen und vielleicht „Amen“ zu sagen. In der Nähe des Lagers Westerbork, wo die Nazis unzählige holländische Juden vor ihrer Verfrachtung und Ermordung in Sobibor und anderen Todeslagern vorbereitend aufbewahrt hatten, kommen den heutigen Archäologen die Gedanken und die Gefühle in den Sinn. Dem Autor gelingt es, wie schon in seinen vorherigen Romanen, ganz intensiv in die Gefühlswelt seiner Hauptperson einzusteigen. Auch, wenn er sich ein wenig zu stark in die vielen Einzelheiten in der Abfolge vertieft, gelingt es ihm vortrefflich zu zeigen, dass es nicht einfach ist, die Nähe zu einem anderen Menschen wirklich leben und erleben zu können. Ein Buch, das ohne Schwierigkeit dazu beitragen kann, Beziehungen, Trennungen, Schuld und Einsamkeit erkennen zu helfen. Es ist gut und intensiv zu lesen. 

Dieses Buch gehört in die Reihe Vergangenheitsbewältigung. 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:  Kurt Triebel 
 


Preisgeb.: 24,00 €
Erscheinungsjahr2023
VerlagLuchterhand
Originalspracheniederländisch
Übersetzer:inMarlene Müller-Haas
Seitenzahl253 Seiten
ISBN978-3-630-87653-5
SignaturSL
SchlagworteNiederlande / Erinnerung / Judentum / Biographisches