Die Fabrik

Hiroko Oyamada

Kafkaeske Erzählung über die Entfremdung des Menschen in der modernen Arbeitswelt.

Sie ist grau, liegt abgeschieden an einem Fluss umgeben von Wald. Niemand genau kennt ihre Ausmaße, Menschen fällt es schwer, sich innerhalb der „Fabrik“ zu orientieren. Was hier hergestellt wird, weiß niemand, auch nicht die zwei Männer und die Frau, die gerade eingestellt wurden. Getrieben von normativem Zwang und Existenzangst, beginnen sie pflichtbewusst ihre Arbeit, auch wenn sie nicht verstehen, welchem Zweck sie dient. So gilt es, Moose zu sammeln, scheinbar zusammenhanglose Texte Korrektur zu lesen und Dokumente zu schreddern (dieselben, die zuvor korrigiert wurden?). Es sind teils absurde Episoden, die Oyamada ihre Protagonisten aus dem ermüdenden und sinnentleerten Arbeitsalltag erzählen lässt. Die Atmosphäre ist so unwirklich wie beklemmend; Bezüge zu Kafka und Orwell liegen auf der Hand. Zunehmend verlieren die Drei den Halt in der Realität – einer Realität, die allein durch die Fabrik und ihre Nicht-Logik konstruiert wird. Eine eigene Welt, die selbst ein Fremdkörper in ihrer Umwelt ist. Braucht der Mensch Arbeit für ein erfülltes Leben? Wie entmenschlicht ist unsere industrielle Arbeitswelt? Und wie können wir ihr entkommen? 


Es sind vielfältige Fragen, die der Roman aufwirft und die nachwirken. Sicher ist: Oyamadas „Die Fabrik“ hat das Zeug zum modernen kapitalismuskritischen Klassiker.

 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:   Sven Bigl


Preisgeb.: 24,00 €
Erscheinungsjahr2026
VerlagRowohlt
OriginalspracheJapanisch
Übersetzer:inNora Bierich
Seitenzahl157 Seiten
ISBN978-3-498-00794-2
SignaturSL
SchlagworteArbeitswelt / Kapitalismus / Entfremdung