Es war einmal Amerika
Bildreiche Entdeckungsreise eines literarischen Kontinents.
Literaturgeschichte als Comic – dass dieses Konzept aufgeht, beweisen François Guérif, Oliver Gallmeister u.a. Die größte Schwierigkeit benennen die Herausgeber dabei gleich im Vorwort: nicht nur das Leben von Schriftsteller:innen nachzuerzählen, sondern auch ihr inneres Universum sichtbar zu machen. In den Autoren-Porträts des 19. Jahrhunderts, die der erste Band umfasst, wird diese Herausforderung unmittelbar evident. Denn neben Lebensgeschichten mit spektakulären Schauwerten (Melville, Twain, London) besteht bei anderen das zentrale biografische Motiv in einem Mann, der rauchend am Schreibtisch sitzt (Cooper). Dass die Darstellungen trotzdem überzeugen, liegt in der Verknüpfung mit dem bildreichen Werk der Autor:innen und, dass es gelingt, sie selbst darin sichtbar zu machen. Ohne sich auf vorschnelle Deutungen festzulegen, zeigen Guerif & Co. dabei en passant, die großen Entwicklungslinien der amerikanischen Literatur auf.
Freilich werden auch Grenzen des Konzepts sichtbar, etwa bei Emily Dickinson, die während ihres Wirkens als Lyrikerin ihr Haus nie verlassen hat. Dass ihr Kapitel nicht nur das Kürzeste, sondern sie überhaupt die einzige Frau in diesem Band ist, darf kritisch angefragt werden. Qualitativ zu beanstanden ist zudem die hohe Zahl an Fehlern im deutschen Text.
Eine eindrucksvolle literarische Entdeckungsreise, die mit ihrem visuellen Zugang nicht nur einen eigenen Reiz entwickelt, sondern auch eine bemerkenswerte Stärke in der Vermittlung von Literaturgeschichte an den Tag legt.
Bewertung: 2/3
Rezension von: Sven Bigl
| Preis | geb.: 32,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Verlag | Jacoby & Stuart |
| Originalsprache | Französisch |
| Übersetzer:in | Edmund Jacoby |
| Seitenzahl | 214 Seiten |
| ISBN | 978-3-96428-272-9 |
| Signatur | SL |
| Schlagworte | Amerika / Literaturgeschichte / Comic |