Die Aussiedlung

András Visky

Glaube, Liebe, Hoffnung heben die Negativitäten einer Diktatur auf und die Menschen bleiben heil.

Das Buch besteht von der Form her aus einem Satz, 822 Einzelabschnitten, die unter thematischen Überschriften stehen. Es lässt sich gut lesen. Im Rumänien Ende der 50er Jahre lebt das Pfarrersehepaar Ferenc mit sieben Kindern. Der reformierte Pfarrer wird zu 22 Jahren Gefängnis verurteilt, sein Vermögen eingezogen. Die Frau und die Kinder – Sippenhaft - leben 6 Jahre in der Steppe in Gruben und Baracken. Der jüngste Sohn András ist der Erzähler, der von dem Schlimmen, dem Bösen, der Gewalt, dem Unrecht, von der Verzweiflung, der Armut, der Gemeinheit erzählt. Das Lagerleben ist unerträglich. Aber die Mutter betet und liest den Kindern aus der Bibel vor. Die trostlose Situation wird mit der Bibel oder die Bibel mit der ausweglosen Situation in Beziehung gesetzt. Die Familie streitet mit Gott und verbittert nicht. Es gibt eine Pfingsterscheinung und eine Wiederauferstehung. Kein Familienglied verliert den Glauben an das Gute. Diese Frömmigkeit hat eine beherzte Zuversicht und sich erneuernden Mut, der durch den bedrückenden Lageralltag trägt und die Freiheit bewahrt. Dadurch erhält das Buch einen tiefernsten und heilfrohen Ton. Das Buch entwickelt in Form und Aufbereitung des Inhalts die Lager-Literatur weiter.
 

Literaturkreise, Pfarrpersonen, Aussiedler aus Osteuropa, Osteuropa-Interessierte – das Buch lässt sich nur als Ganzes, sondern auch in Teilen (Abschnitte!) rezipieren. 

 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:   Martin Schulz


Preisgeb.: 30,00 €
Erscheinungsjahr2025
VerlagSuhrkamp
OriginalspracheUngarisch
Übersetzer:inTímea Tankó
Seitenzahl456 Seiten
ISBN978-3-518-43245-7
SignaturSL
SchlagworteResilienz / Glaube / Mut / Bibel