Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt

Jegana Dschabbarowa

Biografischer Text über das Leben als Frau in einer nach Russland ausgewandert traditionellen muslimischen Familie aus Aserbaidschan.

Die Autorin ist 1992 in Jekaterinburg in Russland geboren. In der Schule erfährt sie Herabsetzung und Ausschluss durch die kulturell anders geprägten Mitschülerinnen, zu Hause muss sie sich der strengen Ordnung der aserbaidschanischen Familie und der Gewalt des Vaters beugen. Im Zentrum des Buches steht der weibliche Körper. Konsequent überschreibt sie die 10 Kapitel mit Körperteilen von Augenbrauen (dürfen erst bei verheirateten Frauen gezupft sein) über Haare bis Bauch. Im Abschnitt Rücken geht es neben den Schlägen auf den Rücken der Mutter auch um eine gute Erfahrung: der liebevolle Großvater trägt das Mädchen auf dem Rücken durch den Fluss. Mit diesem beeindruckenden Buch, dem Prosadebüt der Dichterin, widersetzt sie sich dem Schweigegebot ihrer Familie. Sprache, Lesen und Schreiben sind dringlich und wichtig, da sich ihr Körper durch eine schmerzhafte Erkrankung (Dystonie) als unberechenbar erweist. Gleichzeitig ist sie durch ihre Krankheit sukzessive von dem für junge Frauen geltendem Zwang zu Attraktivität und Präsentation auf dem Heiratsmarkt befreit. Die Autorin musste 2024 Russland wegen massiver Anfeindungen verlassen und lebt heute in Hamburg. 
 

Ein sehr gut lesbares eindringliches Buch über Patriarchat, Schmerz und die Kraft der Sprache. Überall empfohlen. 

 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:  Gabriele Kassenbrock


Preisgeb.: 23,00 €
Erscheinungsjahr2025
VerlagZsolnay
OriginalspracheRussisch
Übersetzer:inMaria Rajer
Seitenzahl138 Seiten
ISBN978-3-552-07591-7
SignaturSL, Bb
SchlagwortePatriarchat / weiblicher Körper / Debüt / Russland