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Auf der Suche nach der eigenen Sprache und Stimme.
Der ungewöhnliche Titel des Buchs bezeichnet einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Kosovo-Albanern in den 1990er Jahren nach Deutschland gekommen, lernt die Ich-Erzählerin früh, ihre Sprache zu verstecken und sich anzupassen. Den Kosovo-Krieg erlebt sie in sicherer Entfernung, er wird auch in der Familie kaum thematisiert. Erst langsam weicht die Sprachlosigkeit und Verdrängung den Erzählungen ihrer Verwandten über das zerstörte Heimatdorf, das Massaker im Nachbarort und über den Großvater, der seitdem spurlos verschwunden ist. Der Roman erzählt eindrucksvoll von dem kollektiven Trauma, das der Kosovo-Krieg bei den geflüchteten Familien und ihren Nachkommen hinterlassen hat. Er bedient sich dabei mehrerer Erzählebenen und unterfüttert die Beschreibungen der Kriegshandlungen mit Daten und Fakten, die schwer auszuhalten sind. Gerade der kühle, sachliche Ton der Erzählung ermöglicht es aber, mit der Autorin über die Konsequenzen von Vergessen und Erinnern traumatischer Erfahrungen nachzudenken.
Sehr gut geeignet für Literaturkreise.
Bewertung: 2/3
Rezension von: Claudia Puschmann
| Preis | geb.: 22,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Verlag | Wallstein |
| Originalsprache | Deutsch |
| Übersetzer:in | -- |
| Seitenzahl | 169 Seiten |
| ISBN | 978-3-8353-5949-9 |
| Signatur | SL |
| Schlagworte | Kosovo-Krieg / Traumabewältigung |