Eine Insel

Karen Jennings

Ein Leuchtturmwärter findet einen angespülten Flüchtling. Er rettet ihn. Aber die Angst kommt, bleibt und siegt.

Mit bedrängend knapper Sprache, der jede Eitelkeit und unnütze Wendung abgeht (Gott sei Dank!), entwirft Karen Jennings das bühnentaugliche Drama auf einer kleinen, namenlosen Insel, die längst vergessen ist und deren Seefahrtzeichen auch keinen Sinn mehr hat. Samuel lebt schon viele Jahre völlig allein als Leuchtturmwärter. Die Insel ist sein Zufluchtsort. Nur hier konnte er seinen Erinnerungen, seiner Schuld, dem Scheitern, Versagen und Staucheln, der Hoffnungslosigkeit zwischen Revolution und Korruption entkommen. Ein Angespülter, der lebt, wird zur Probe am Ende seines trostlosen Lebens. Sein Reich aus Garten, Leuchtturm, Haus ist zu eng für zwei. Seine Flucht zu endgültig. Die Resignation, der er literarisch eindrücklich durch Wort- und Bildwahl spürbar gemacht, wortlos ausgeliefert ist, bekommt in bedrückend schonungslosen Erinnerungen Gewalt über ihn. Akt für Akt entwickelt sich das Stück. Die Leserin gerät in verzweifelte Hilflosigkeit. Jeder Lichtblick verdunkelt sich. Vorhang!

Für anspruchsvolle Lesekreise. 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:   
Christiane Thiel


Preisgeb.: 22,00 €
Erscheinungsjahr2022
VerlagBlessing
Originalspracheenglisch
Übersetzer:inRegina Rawlinson
Seitenzahl238 Seiten
ISBN978-3-89667-738-9
SignaturSL
SchlagworteFlucht / Befreiungskampf / Armut / Einsamkeit