John of John
Wieviel wissen wir eigentlich von denen, die uns am nächsten sind?
Cal wird nach Hause zitiert, seiner Oma gehe es nicht gut, so der gestrenge, calvinistisch geprägte Vater. Für die Heimkehr auf die schottische Hebriden-Insel muss Cal sich wappnen: mit Ecstasy, mit Alkohol, mit den richtigen Mixed-Tapes im Walkman, es sind die 1990er Jahre. Und je länger er wieder in dieser weiten kargen Inselwelt zubringt, desto enger wird sein Leben, denn hier regieren Tradition und Kirche. Er ist einfach der Sohn von John Mac Leod, eben „John of John“. Etwas anderes lassen die anderen nicht zu. Cal hat nie hierhergepasst und nach seinem Studium in Edinburgh und all der Freiheit fällt ihm das noch mehr auf, denn dem Sonderling, der seine homosexualle Identität hier verbergen muss, schlägt Häme und Ablehnung entgegen, denn trotz Studiums hat er nichts vorzuweisen. Douglas Stuart schafft eine tiefbewegende und spannungsgeladene Dreiergeschichte um Cal, seine Großmutter Ella und den Vater, den attraktiven, Schafzüchter und Weber John, dem die „böse“ Frau weggelaufen ist, so die gängige Erzählung. Eine mitreißende, stellenweise sehr brutale, sprachlich brillante Geschichte um die zerstörerische Macht von Selbstverleugnung.
Ein großartiger Roman über die Macht von Geheimnissen, einengende Strukturen und große Lieben. Dieses Leseerlebnis hallt lange nach.
Bewertung: 3/3
Rezension von: Marie Varela
| Preis | geb.: 26,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Verlag | Hanser Berlin |
| Originalsprache | Englisch |
| Übersetzer:in | Sophie Zeitz |
| Seitenzahl | 558 Seiten |
| ISBN | 978-3-446-28582-8 |
| Signatur | SL |
| Schlagworte | LGBTQ / Landleben / Generationen / Glaube |