Weibliche Macht neu denken
Eine Bestandsaufnahme struktureller Ungleichheit.
Eva Thöne untersucht, warum Frauen trotz deutlicher Fortschritte weiterhin an den Rändern der Macht agieren oder sich in ihrer Position fremd fühlen. Eine alltägliche Beobachtung: In Entscheidungssituationen sprechen Frauen seltener – und wenn sie sprechen, wird ihnen weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Thöne ordnet dieses Phänomen historisch ein und zeigt anhand zahlreicher Studien und Beispiele aus Politik, Geschichte und Popkultur, wie persistent patriarchale Machtstrukturen bis heute wirken. Zentral ist dabei der enge Handlungsrahmen, in dem Frauen agieren: Wer sichtbar, ambitioniert oder fordernd auftritt, riskiert soziale Sanktionen; wer sich anpasst, bleibt politisch und beruflich wirkungslos.
Der analytische Teil des Buches ist fundiert, überrascht bei manchem Beispiel selbst im Thema stehende Lesende und gibt viel Futter für künftige Diskussionen. Das im Titel angekündigte „Neudenken“ bleibt jedoch vergleichsweise knapp. Alternative Machtmodelle jenseits hierarchischer, männlich geprägter Leitbilder – etwa in Form kollektiver oder fürsorglicher Macht – werden zwar benannt, aber nicht weiter ausgearbeitet.
Als Bestandsaufnahme ist das Buch vor allem für Menschen, die sich ins Thema einarbeiten wollen, bereichernd. Lesende, die sich konkrete Anregungen für Veränderungen erwarten, werden etwas enttäuscht sein.
Bewertung: 2/3
Rezension von: Wiebke Mandalka
| Preis | geb.: 24,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Verlag | Hanser Berlin |
| Originalsprache | Deutsch |
| Übersetzer:in | -- |
| Seitenzahl | 236 Seiten |
| ISBN | 978-3-446-28302-2 |
| Signatur | Sb |
| Schlagworte | Feminismus / Macht / Gesellschaft |