Agenda 2030 oder Schöpfungszeit: Evangelische Büchereien sind dabei!
Vom 1. September bis zum 04. Oktober feiern Christ:innen seit 2007 die "Schöpfungszeit". Diese jährlich wiederkehrende, ökumenische Aktion lädt dazu ein, sich intensiver mit Fragen der Schöpfungsverantwortung und des Klimaschutzes auseinanderzusetzen und ausdrücklich auch dazu, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen.
In einer Zeit globaler ökologischer Krisen gewinnt dieses Engagement zunehmend an Dringlichkeit – nicht nur im theologischen, sondern auch im gesellschaftspolitischen Kontext.
Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) bietet einen globalen Rahmen, um den Einsatz für Umwelt, Gerechtigkeit und Frieden konkret zu gestalten. Auch evangelische öffentliche Büchereien tragen auf ihre Weise zu diesem Wandel bei: Als Bildungsorte, Begegnungsräume und kulturelle Mittler fördern sie nachhaltiges Denken, kritische Reflexion und soziale Teilhabe.
In dieser Schöpfungszeit möchten wir deshalb den Blick auf das besondere Potenzial evangelischer Büchereien richten – als Orte, an denen Nachhaltigkeit nicht nur thematisiert, sondern auch gelebt wird:
Ein Lesegarten. Schon allein das Wort verheißt Gutes, denn was kann man sich Schöneres vorstellen, als in einem blühenden Garten unter alten Obstbäumen in einem guten Buch zu versinken. So einen Ort hat die Stadtbibliothek Rudolstadt zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde vor Ort geschaffen. Im Mai 2025 wurde der Lesegarten, der sich im einstigen Obstgarten der Kirchengemeinde befindet, mit einem Festakt eröffnet. „Aus einer gemeinsamen Idee ist ein Ort entstanden, der Bildung, Kultur und Natur vereint“, so Pfarrerin Madleen Goldhahn. Auch Bibliotheksleiterin Dr. Annelie Carslake betont die Freude über die gelungene Zusammenarbeit, vor allem mit der Kirche, aber auch mit anderen Beteiligten: „Veranstaltungen im Freien ruhige Lesestunden zwischen Blumen und Kräutern, ein Raum der Begegnung - das ist ein echter Gewinn für Rudolstadt.“ Der Lesegarten, in den man einfach durch eine Pforte vom Hof der Bibliothek gelangt, ist öffentlich zugänglich und kann jederzeit von jedermann genutzt werden. Nicht nur zum Lesen, auch zum Austausch oder Ausruhen auf bequemen Leseliegen. Der Garten verfügt außerdem über eine kleine Bühne mit Sonnensegel, ein Insektenhotel und wird gemeinschaftlich gepflegt. „Schüler:innen der Förderschule vor Ort haben beim Anlegen der Beete und der kreativen Gestaltung des Gartens mitgeholfen“, hebt Madleen Goldhahn hervor. Es wurden “Naschstreucher” gepflanzt, dann folgten ein Kräutergarten und Klimasträucher. Durch den Einbau einer Zisterne kann Regenwasser zur Bewässerung genutzt werden.
„Der nächste Höhepunkt wird der Tag der Diakonie sein, der am 7. September im Lesegarten mit vielen Aktionen begangen wird“, so Goldhahn.
Nachhaltiges Engagement wird aber nicht nur an diesem besonderen Beispiel des Lesegartens deutlich, sondern ist allgemein in der Büchereiarbeit verankert, denn Büchereien sind per se schon nachhaltige Orte und beherzigen viele der von den Vereinten Nationen formulierten Ziele zur nachhaltigen Entwicklung. Am Beispiel der Bethel-Bücherei kann man sehen, wie das im Einzelfall umgesetzt wird. Folgende Schwerpunkte hat sich die Bethel-Bücherei für eine nachhaltige Entwicklung gemäß der Agenda 2030 gesetzt: Die Bücherei unter der Leitung von Barbara Manschmidt will vor allem:
- Zugang zu Bildung bieten
- Günstige Ausleihe ermöglichen
- Ressourcen schonen
- Inklusiver Treffpunkt sein
- Gemeindeleben fördern
- Kooperationen eingehen um lokale Gemeinschaft zu fördern
“Unsere Evangelische Gemeindebücherei arbeitet - wie viele andere Büchereien auch - nachhaltig auf mehreren Ebenen: Bücher und andere Medien werden mit vielen Menschen geteilt. Sie ist ein Ort der Begegnung durch persönliche Beratung und Gespräche. Wir gestalten Geselligkeit und Miteinander durch Lesungen, Lesekreise oder literarische Abende. Natürlich werden auch Kinder und Jugendliche, oft mit ihrer Schulklasse, an Bücher und das Lesen herangeführt”, so Büchereileiterin Barbara Manschmidt.
Seit diesem Sommer hat die Bücherei darüber hinaus bienenfreundliche Wildstauden in Töpfen vor dem Fenstern platziert. “Sie sind aus der Staudengärtnerei hier in Bethel, einer Werkstatt, in der Menschen mit Behinderungen im grünen Bereich arbeiten.”
Es lässt sich feststellen: In evangelisch öffentlichen Büchereien ist die Schöpfungszeit und das nachhaltige Engagement eine ganzjährige Angelegenheit, die inspiriert und zum Nachahmen anregt.
Von Marie Varela, Redaktion Eliport