Das Ev. Buchpreis - Interview
Am 20. Mai wird Annett Gröschner in Nürnberg der Ev. Buchpreis 2026 für ihren Roman “Schwebende Lasten” über die Blumenbinderin und Kranführerin Hanna Krause verliehen.
In unserer nächsten Ausgabe von evangelisch.lesen (ab 01. Juni) erwartet Sie dann unser exklusives Eliport-Interview mit der Preisträgerin, aus dem Sie hier jetzt schon Auszüge lesen können:
„Hanna sind viele Frauen dieser Generation“
Annett Gröschner über Blumen, die Entstehungsgeschichte des Romans und die Notwendigkeit der differenzierten Darstellung ostdeutscher Erfahrungen.
Liebe Frau Gröschner!
Wo waren Sie, als Sie erfahren haben, dass Sie den Preis gewonnen haben, und was waren Ihre ersten Gedanken?
Ich war unterwegs, auf Lesereise, als ich davon erfahren habe. Ich war überrascht, den Preis zu bekommen, weil sich meine Heldin ja von der Kirche abwendet.
Am Beginn von jedem Kapitel gibt es eine kurze Beschreibung einer Blumensorte mit passenden Pflegehinweisen. Wenn Sie eine Blume wären, welche wäre das und welche Pflegehinweise bräuchten Sie, damit es Ihnen gut geht?
Ich wäre gerne eine Magnolie. Ich wachse am Baum für ganz kurze Zeit im April und brauche ein bisschen Regen und viel Sonne. Niemand ist verpflichtet, mich zu pflegen.
Das Buch erzählt das ganze Leben von Hanna Krause. Wir begleiten Sie von ihrer Kindheit bis zu Ihrem Tod. War schon von Beginn an klar, dass Sie in diesem Roman ein gesamtes Frauenleben erzählen wollen, oder wie ist diese Spannweite der Erzählung zustande gekommen?
Der Roman war erst Teil eines größeren Gegenwartsromans. Die Konstruktion hat aber nicht funktioniert und ich habe zwei Romane daraus gemacht, Schwebende Lasten ist der erste. Es war aber von Anfang an angelegt, dass Hannas Leben als Ganzes erzählt wird, um ihre Töchter zu verstehen, die nun in dem zweiten Roman ihre Bühne bekommen. Er wird Frauenruheraum heißen.
Gibt es für Hanna ein konkretes Vorbild (oder vielleicht auch mehrere)?
Es gibt nicht das eine konkrete Vorbild für Hanna, Hanna sind viele Frauen dieser Generation, die ich kennengelernt habe, mit denen ich auch gesprochen habe, darunter auch meine Großmutter mütterlicherseits, die in den 1930er Jahren einen Blumenladen hatte.
Hanna ist zunächst Blumenbinderin, was ihr viel Freude bereitet. Später wird Sie Kranführerin in der Schwerindustrie. Haben Sie bewusst ein eher weiblich und ein eher männlich konnotiertes Berufsfeld gegenübergestellt? Und was würden Sie sagen, machen diese beiden ja doch sehr unterschiedlichen Berufe mit Hanna als Charakter?
In der Gegend, in der Hanna sich bewegt und in der es sehr viel Schwerindustrie gab, war das nicht ungewöhnlich. Leider ist es ja auch bis heute so, dass in weiblich konnotierten Berufen weniger verdient wird, obwohl die Arbeit nicht leichter ist. Hanna nimmt die Chance wahr, endlich einmal besser zu verdienen. Allerdings bleiben die Blumen ihre Favoriten.
…