Die Lebensentscheidung
Kann man entscheiden, wie lange man lebt? Ein ganz spezieller Jetset zwischen Wien und Brüssel.
In Demut abzuwarten, was passiert, gar das Psalmwort „Meine Zeit steht in deinen Händen“ duldsam zu empfinden – das ist nicht die Sache von Franz Fiala in Robert Menasses neuem Buch. Für den Euro-Bürokraten lief es zuletzt nicht gut in Brüssel, mit Verachtung blickt er auf seine Vorgesetzten, die den Treckerdemos so schnell nachgaben, er will kündigen – eine „Lebensentscheidung“. Er will sich um seine kranke Mutter in Wien kümmern. Er will, dass sie ein gutes Ende nimmt. Und nun beginnt ein reges Hin und Her zwischen Brüssel und Wien, Heiratsplänen und Schmerzbekämpfung, denn es geht ihm schlecht. Immer schlechter, Er zögert den entscheidenden Arztbesuch hinaus, die „unerhörte Begebenheit“, die zu einer Novelle gehört. Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das ist jetzt kein Spoiler, denn die Leserin ahnt das längst, sie weiß es sogar, vom Klappentext. Jetzt trifft Fiala die wirkliche „Lebensentscheidung“: Er will seine Mutter überleben, ihr den Schmerz ersparen, den Sohn zu verlieren.
Irre, wie die beiden sich treiben und quälen, mit liebevoller Unehrlichkeit, einem absurden Geheimhaltungswettbewerb, bis zum fulminanten Ende. Großartig!
Bewertung: 3/3
Rezension von: Anne Buhrfeind
| Preis | geb.: 22,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2026 |
| Verlag | Suhrkamp |
| Originalsprache | Deutsch |
| Übersetzer:in | -- |
| Seitenzahl | 157 Seiten |
| ISBN | 978-3-518-43274-7 |
| Signatur | SL |
| Schlagworte | Leben / Novelle / Wien / Sterben |