Russische Spezialitäten
Der schon als Kind nach Deutschland emigrierte Autor blickt auf seine Eltern und den russischen Angriffskrieg.
Was macht man, wenn die eigene Mutter den ganzen Tag Zigaretten und russische Propagandasender konsumiert und Putins Lügen glaubt? Der Ich-Erzähler im autobiographisch geprägten Roman schwankt ständig zwischen dem Bedürfnis nach Distanz und Nähe. Zu viel hat man als ukrainisch-jüdisch-moldawische Familie miteinander erlebt, z. B. im titelgebenden Leipziger Lebensmittelladen, in dem er zwischen osteuropäischen Fleischprodukten, Räucherfisch und Krimsekt aufgewachsen ist. Im zweiten Teil des lebendig geschriebenen, mit Sprachen spielenden Buchs, trifft er die Entscheidung, trotz des Krieges die Ukraine und seine dortigen Freunde zu besuchen. Der den ersten Teil prägende Humor wird nun zum Galgenhumor. Wie Kapitelmans frühere Werke ist auch dieses preiswürdig. Es besticht durch einen unterhaltsamen Stil, der nie oberflächlich ist, weil es gelingt, Alltagserlebnisse von Immigranten mit der (post-)sowjetischen Zeitgeschichte und der bedrückenden Gegenwart zu verbinden.
Breite Empfehlung. Nicht so leichte Kost wie die ähnlichen Werke von Wladimir Kaminer.
Bewertung: 3/3
Rezension von: Tobias Behnen
| Preis | geb.: 23,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Verlag | Hanser Berlin |
| Originalsprache | deutsch |
| Übersetzer:in | -- |
| Seitenzahl | 182 Seiten |
| ISBN | 978-3-446-28247-6 |
| Signatur | SL |
| Schlagworte | Leipzig / Ukraine / Russland / Krieg |