Treppe aus Papier

Henrik Szántó

Shortlist 2026

Geschichte sind Geschichten: Hier erzählt ein Haus seine dramatische Geschichte von 1899-2023. Die Oberstufenschülerin Nele und die 90jährige Irma kommen ins Gespräch – das öffnet Nele die Augen für die Geschichte ihrer Familie. Und Irma muss noch eine Sache klären …

 

Rezension: 

 

Vertreibung, Heimkehr, Ein- und Umzug: Ein altes Haus erzählt und spannt den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

 

Ein verlorener Ohrring, den die 15-jährige Nele im Hausflur findet, führt sie in die Wohnung von Irma, die dort vor 90 Jahren geboren wurde, als das Haus noch der jüdischen Familie Sternheim gehörte. Obwohl Irmas Eltern stramme Nazis waren, freundete sie sich als Kind mit der fünf Jahre älteren Ruth Sternheim an und fand bei ihr und ihrer Familie die Wärme und Zuneigung, die sie Daheim so sehr vermisste, wo nur Härte, Gehorsam und Disziplin zählten. Aufgerüttelt von Irmas Erzählungen beginnt Nele nachzuforschen, wo die Täter in ihrer eigenen Familie zu finden sind. Gleichzeitig hat die Begegnung auch bei Irma etwas in Bewegung gebracht und alte Wunden aufgerissen. Zurückversetzt in ihre Kindheit erinnert sie sich an die Monate rund um die Vertreibung der Sternheims, an Gewalt, Plünderung und persönliche Schuld. Der poetische und wortgewaltige Roman vermischt gelungen die bewegenden Echos aus Vergangenem mit den Geschichten der Gegenwart, beides nur wenige Schritte voneinander entfernt.


Sehr empfehlenswert! Erinnerungsarbeit anhand von facettenreichen, menschlichen Geschichten. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr die Vergangenheit schon wieder Gegenwart ist.  

 

Bewertung: +++

 

Rezension von: Heike Nickel-Berg

 


Preisgeb.: 24,00 €
Erscheinungsjahr2025
VerlagBlessing
OriginalspracheDeutsch
Übersetzer:in--
Seitenzahl224 Seiten
ISBN978-3-89667-778-5
SignaturSL
Schlagworte