Weiter nach Osten

Maylis de Kerangal

Der Zwangsrekut Aljoscha und die Französin Helene begegnen sich in der transsibirischen Eisenbahn.

Schon vor 12 Jahren erschien dieser kleine Roman der in Frankreich bekannten Autorin. Heute meint man in ihm das Schicksal der für den Krieg in der Urkaine rekrutierten Soldaten wiederzuerkennen. Aljoscha hatte keine Mittel sich über Bestechung der Zwangsrekrutierung zu entziehen und malt sich - eingeschlossen in eine Kompanie trinkender und scherzender Rekruten - bereits die Quälereien aus, die die Neuen am Zielort über sich ergehen lassen müssen. Jeder Halt auf der langen Strecke könnte eine Gelegenheit zur Flucht sein. Einmal versucht er es sogar, merkt aber gleich, dass er allein keine Chance hat. Bei einer Zigarette auf dem Gang lernt er Helene kennen, sprachlos, denn sie haben keine gemeinsame Sprache. Intuitiv erfasst Helene seine Lage und seinen Wunsch, abzutauchen. Sie ist selbst auf einer Art Flucht vor einer unglücklichen Liebesbeziehung mit einem Russen. Wie die Autorin die Menschen, die Stimmung, die Gerüche, die Angst und die situative Nähe auf dieser Fahrt nach Wladiwostok erzählt ist bewundernwert. Ohne zu reflektieren, was das bedeuten kann, wird Helene zur Komplizin.
 

Ein Kleinod der Literatur, emotional, spannend, mitfühlend. Überall, wo Gegenwartsliteratur gefragt ist, empfohlen.

 

Bewertung: 3/3   

Rezension von:  Gabriele Kassenbrock


Preisgeb.: 20,00 €
Erscheinungsjahr2024
VerlagSuhrkamp
Originalsprachefranzösisch
Übersetzer:inAndrea Spingler
Seitenzahl90 Seiten
ISBN978-3-518-43212-9
SignaturSL
SchlagworteRussland / Solidarität / Freundschaft / Mut