Wildnis
G. Schuldt verarbeitet, ausgelöst durch seine Beziehung zu Ely, sein Kindheitstrauma aus dem Hamburger Feuersturm im 2. WK.
Gottfried Schuldt, die Hauptfigur des Romans, lebt in einem kleinen Apartment im Londoner East End. Dort zieht er sich zurück, wenn er seine karrierebewussten Kollegen und seine Arbeit als Historiker in Cambridge nicht mehr sehen will. Sein Buch über deutsche Angriffe auf englische Städte im Zweiten Weltkrieg gelingt nicht. Er lernt den 30 Jahre jüngeren Ely kennen, dies wird die erste feste homosexuelle Beziehung, bisher hatte er seine Homosexualität geheim gehalten. Gottfried ist verunsichert, zugleich werden nach und nach Erinnerungen wach, die er so lange verdrängt hat. Er war sechs Jahre alt, als das amerikanische und britische Militär schwere Luftangriffe auf Hamburg flog, im Feuersturm wird der Stadtteil Hammerbrook, wo Gottfried mit seiner Mutter lebt, besonders schwer getroffen. Seine behinderte Schwester geht bei der Flucht aus dem Feuersturm verloren. Die Sprachlosigkeit der Kriegsgeneration ist das Hauptthema, dazu die Freundschaft mit Uni-Kollege Tom und seiner Frau Liz.
Eine erschütternde Lektüre, Haaren findet eine literarische Sprache für seinen Helden, der sich mühsam einen Weg durch seine innere Wildnis erkämpft. Ein beeindruckendes Buch.
Bewertung: 3/3
Rezension von: Martin Ertz-Schander
| Preis | geb.: 24,00 € |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Verlag | Wallstein |
| Originalsprache | Deutsch |
| Übersetzer:in | -- |
| Seitenzahl | 290 Seiten |
| ISBN | 978-3-8353-5913-0 |
| Signatur | SL |
| Schlagworte | Cambridge / Feuersturm / Sprachlosigkeit / Homosexualität |