Anna oder: Was von einem Leben bleibt

Henning Sußebach

Shortlist 2026

Auf den Spuren des Lebens seiner Urgroßmutter Anna Kalthoff, schreibt Henning Sussebach ein eindrucksvolles Buch über eine starke, selbstbewusste Frau, die vom deutschen Kaiserreich bis zur Zeit des Faschismus ein außergewöhnliches Leben geführt hat. Recherche und Poetik verbinden sich zu einer berührenden Erinnerung.

 

Rezension:

 Was bleibt von einem Leben? Eine literarische Annäherung an die eigene Urgroßmutter. 


Es sind nur wenige Erb- und Erinnerungsstücke, die Henning Sussebachs Urgroßmutter Anna Kalthoff hinterlassen hat: wenige Fotografien, ein Poesiealbum, lose Anekdoten von Familienfeiern, ihren Verlobungsring. Von diesen Fragmenten ausgehend, versucht Sussebach, das Leben einer Frau zu rekonstruieren, die er selbst nie kennengelernt hat. Die Fakten sind schnell zusammengetragen: Anna wird im Sauerland geboren, arbeitet lange Zeit als Lehrerin, ist zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter – so weit so gewöhnlich. Doch es sind die Geschichten zwischen den Fakten, die faszinieren und die ihr Leben so einzigartig machen. Die zahlreichen Leerstellen füllt Sussebach mit historischem Kontext, behutsamen Vermutungen und erzählerischer Fantasie. So entsteht das Porträt einer Frau, die auf den ersten Blick ein alltägliches Leben geführt zu haben scheint, bei genauem Hinsehen jedoch einen ebenso ungewöhnlichen wie exemplarischen Weg einer Frau gegangen ist – zwischen Anpassung und Widerstand, zwischen Konvention und Selbstbehauptung. 


Eine inspirierende (Familien)Geschichte, die zeigt, wie brüchig Erinnerung ist und wie kraftvoll das Erzählen gegen das Vergessen wirken kann.

 

Bewertung: +++

 

Rezension von: Miriam Weinrich


Preisgeb.: 23,00 €
Erscheinungsjahr2025
VerlagC. H. Beck
OriginalspracheDeutsch
Übersetzer:in--
Seitenzahl205 Seiten
ISBN978-3-406-83626-8
SignaturBb
SchlagworteFamiliengeschichte / historisch / Biographie / Alltagsgeschichte