1. Friends will be Friends: Eine Unterrichtsstunde in 3 Teilen
Teil 1: Friends will be Friends
Wer kennt das Lied Friends will be Friends – ein Song von „Queen” (1986)? Gemeinsam anhören (eventuell nur den Refrain).
Den Text des Refrains auf dem Whiteboard einblenden, auf einem A3-Blatt groß ausdrucken o.ä., ihn dann gemeinsam lesen und übersetzen.
Fragen:
- Stimmt ihr dem Inhalt des Refrains zu?
- Entspricht das eurem Empfinden zum Thema Freundschaft?
- Evtl: Kennt ihr noch weitere Songs, die sich mit dem Thema Freundschaft befassen? (gemeinsam anhören und die Texte/Aussagen diskutieren)
Aufgabe:
Sammelt Merkmale, die eurer Meinung nach eine „gute” Freundschaft ausmachen.
Teil 2: Ich will einfach einen Freund haben
Lest im Buch gemeinsam S.79f ab „Ich will einfach einen Freund haben” bis zum Ende des Kapitels.
Frau Menke fragt: „Kennst du die Redensart, dass man, wenn man gute Freunde haben möchte, selbst ein guter Freund sein sollte?”
Frage:
Kennt ihr diese Redensart? Wie ist man das, ein:e gute:r Freund:in?
Später sagt sie: „Eine Freundschaft kann man immer nur anbieten, man kann sie nicht erzwingen.”
Diskutiert:
Wie macht man das, eine Freundschaft anbieten?
Idee: den Jugendlichen auf einem kleinen (Silber-)Tablett Ferrero Küsschen anbieten („Guten Freunden gibt man ein Küsschen”; Geste des Anbietens)
Teil 3: Und dann hielt er plötzlich auch noch meine Hand
Irgendwas scheint zwischen Leon und Rouven passiert zu sein, das die Freundschaft kompliziert macht…
Kurz die Ausgangssituation umreißen: Leon und Rouven sind auf dem Friedhof, um das Grab von Lukas, dem tödlich verunglückten Radfahrer, zu suchen. Dabei befällt Leon eine große Traurigkeit und er muss heftig weinen.
Lest gemeinsam im Buch ab S.65 „Ich sah Rouven nicht an.” bis zum Ende der Seite.
Kurzer Einschub: Dann saßen die beiden eine Weile auf der Bank und hingen ihren Gedanken nach.
Weiterlesen ab „Hast du die Frau vom Friedhofsbüro gesehen?” bis zum Ende des Kapitels.
Frage:
- Und jetzt?
- Wie würdet ihr an Leons (Rouvens) Stelle empfinden und reagieren?
- Wie könnte die Freundschaft zwischen Leon und Rouven jetzt weitergehen?
Aufgaben:
Variante A, in Zweierteams:
Leon hat nach der Situation auf dem Friedhof den Entschluss gefasst, sich bei Rouven für sein Verhalten zu entschuldigen und schreibt ihm auf Whatsapp eine Nachricht. Schlüpft gedanklich in die Rollen von Leon und Rouven – wie könnte sich der Chatverlauf gestalten? Schreibt ihn auf!
Die Ergebnisse (zumindest eine Auswahl) werden vorgetragen. Danach wird erzählt, wie der Chat im Buch tatsächlich abgelaufen ist.
Variante B, in Zweier- oder Dreierteams:
Dafür den Chatverlauf von S.69-75 fotokopieren und die einzelnen Nachrichten ausschneiden. Aufwändiger, aber deutlich einfacher wird es, wenn man den Chat doppelt auf Papier in zwei unterschiedlichen Farben fotokopiert und dann für die Nachrichten von Leon die eine, für die Nachrichten von Rouven die andere Farbe verwendet.
Setzt den Chat zwischen Leon und Rouven wieder zusammen. Lest ihn euch im Stillen durch.
Beide Aufgaben-Varianten können auch kombiniert werden. Dann bei Variante A noch nicht verraten, wie der Chat tatsächlich verlaufen ist.
Diskutiert:
- Was meint ihr – werden Leon und Rouven es schaffen, Freunde zu bleiben? Wie kann das eurer Meinung nach gelingen?
- Fallen euch Umstände ein, die eine Freundschaft unmöglich machen bzw. eine bestehende Freundschaft kaputtmachen können?
2. Freundschaft zwischen Männern: “Händchenhalten ist ja auch nicht immer schwul, oder?” (S. 68)
Der Bezug zum Buch
Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf der Freundschaft zwischen Leon und seinem Mitschüler Rouven. Ihre Zuneigung zueinander ist wie eine Geschichte in der Geschichte. Rouven hilft ihm, die Geschichte des Holzkreuzes zu erkunden und das Grab des Verstorbenen zu finden. Im Zuge ihrer Recherche freunden sich die beiden „Friedhofsdetektive“ (S. 33) an. Es kommt zu Besuchen und Übernachtungen. Sie sprechen über ihre Erfahrungen mit dem Masturbieren. Dabei wird klar: Rouven ist schwul, Leon nicht. Rouvens Schwulsein wird zum Thema in der Klasse. Einige fangen an, über ihn zu lästern, was Leon wütend und traurig macht.
Theologische Hinweise
Sexuelle Entwicklung und Selbstbestimmung sind für jeden jungen Menschen eine der wichtigsten Aufgaben und oft auch eine schwierige Herausforderung. Denn Sexualität ist eine zentrale Identitätsfrage, die sich erst nach und nach klärt, und die sich für den einzelnen Menschen immer im Kontext seiner Umwelt (Familie, Peergroup, Gesellschaft) herauskristallisiert.
Für eine Beschäftigung mit diesem enorm wichtigen anthropologischen Thema im Religionsunterricht kann es sich anbieten, die biblische Geschichte von der Freundschaft zwischen Jonatan, einem Sohn von König Saul, und David, dem jungen Schafhirten und späteren König, zu erschließen:
„Jonatans Herz verband sich mit dem Herzen Davids, und Jonatan gewann ihn lieb wie sein eigenes Herz …. Und Jonatan schloss mit David einen Bund, denn er hatte ihn lieb wie sein eigenes Herz. Und Jonatan zog seinen Rock aus, den er anhatte, und gab ihn David, dazu seine Kleider und sein Schwert, seinen Bogen und seinen Gürtel. (1. Sam 18,1-4).
Jonatan, Sauls Sohn, hatte David sehr lieb (1. Sam 19,1).
Jonatan ließ nun auch David schwören bei seiner Liebe zu ihm; denn er hatte ihn so lieb wie sein eigenes Leben (1. Sam 20,17).
David stand auf hinter dem Steinhaufen und fiel auf sein Antlitz zur Erde und beugte sich dreimal nieder, und sie küssten einander und weinten miteinander, David aber am allermeisten. Und Jonatan sprach zu David: Geh hin mit Frieden! (1. Sam 20,41-42).
David: Jonatan, ich habe große Freude und Wonne an dir gehabt; deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist. (2. Sam 1,26)
Didaktische Hinweise
Die biblische Geschichte von der Freundschaft zwischen Jonatan und David bietet sich für den Unterricht aus Altersgründen an, da sie zwischen zwei jungen Männern spielt und erotisch oszilliert. Von Sexualität ist explizit keine Rede, aber die homoerotische Konnotation ist unverkennbar. Es kann eine wertvolle Entdeckung sein, dass die Freundschaft zwischen zwei Jungen mit expliziter oder impliziter sexueller Dimension ein Phänomen ist, das es in der Gegenwart gibt und das es auch in der Vergangenheit immer schon gab. Diese biblische Geschichte spielt ca. im Jahre 1000 v. Chr., ungefähr im heutigen Gaza-Gebiet. Sie ist theologisch wie didaktisch auch wertvoll, weil sie einen positiven alttestamentlichen Kontrast zu den homosexualitätsfeindlichen anderen Bibelstellen darstellt. Für die unterrichtliche Erschließung bieten sich alle gängigen Methoden bibeldidaktischen Arbeitens an.